Forschung

Die Potsdamer Konferenz, die vom 17. Juli bis zum 02. August 1945 im Schloss Cecilienhof abgehalten wurde, ist ein historisches Ereignis, das unterschiedlich interpretiert aber wissenschaftlich nur unzureichend aufgearbeitet wurde. Das trifft für den Osten wie für den Westen zu.

Die Gründe dafür sind nicht bekannt.

Den Zustand der Forschung zur Potsdamer Konferenz und den Stand der wissenschaftlichen Publikationstätigkeit verdeutlicht eine auf der Auswertung des KOBV-Katalogs (KOBV = Kooperative Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg) erstellte Literaturliste. Die Verhandlungen auf der Konferenz sowie die Abschlussdokumente wurden hin und her ausgewertet. Die Konferenz selbst und ihr Umfeld, wie z. B. die Unterbringung der Konferenzteilnehmer in Neubabelsberg und die Auswirkungen des Stattfindens der Konferenz auf die Potsdamer Bevölkerung, spielten aber keine Rolle. Dieser Mangel war bekannt. Weshalb das 1975 erschienene Buch von Charles L. Mee „Meeting at Potsdam“ mehrfach in englischer Sprache und übersetzt ins Deutsche mehrfach aufgelegt wurde. Es ist leicht lesbar. Aber der wissenschaftliche Wert hält sich in Grenzen.

1960

1960 erschien in Washington in der Reihe „Foreign Relations of the United States. Diplomatic Papers“ die zwei Bände umfassende Quellenedition „The Conference of Berlin (The Potsdam Conference) 1945″. Band 1 hatte 1216 Seiten und Band 2 umfasste 1821 Seiten.
Die Initiative für die Veröffentlichung ging vom 86. Kongreß der Vereinigten Staaten aus. In dem mit Datum 15. März 1960 von George Bernard Noble, Director Historical Office Bureau of Public Affairs, verfassten Vorwort zu Band 1 heißt es:

Dieser Dokumentenband (der erste von zwei Bänden, die sich mit der Berliner bzw. Potsdamer Konferenz von 1945 befassen) ist der zweite Band einer Sonderreihe der Zeitschrift Foreign Relations zu den Konferenzen des Zweiten Weltkriegs, an denen Präsident Roosevelt oder Präsident Truman sowie Premierminister Churchill oder Generalissimus Stalin oder beide teilnahmen. Der erste Band dieser Sonderreihe behandelte die Konferenzen in Malta und Jalta und wurde 1955 vom US-Außenministerium veröffentlicht.
Hauptredakteur des vorliegenden Bandes war Richardson Dougall, Leiter der Abteilung für Politikstudien im Historischen Büro des Ministeriums. In verschiedenen Phasen der Zusammenstellung und des professionellen Lektorats des Bandes wurde er von folgenden Mitarbeitern des Historischen Personals des Ministeriums unterstützt: Robert C. Hayes (dessen Arbeit insbesondere an den Briefing-Book-Papieren in diesem Band gewürdigt wird), Dwight R. Ambach, Peter V. Curl, Eula McDonald, Richard S. Patterson, Herbert Spielman und Isaac A. Stone. Wertvolle Unterstützung bei der Kommentierung der Dokumente leisteten Myra J. DeBerry und weitere Bibliothekare der Ministeriumsbibliothek sowie die Mitarbeiter der Abteilung für Biografische Informationen.
Die Abteilung für Verlagsdienste des Außenministeriums war für das Korrekturlesen und Redigieren des Textes sowie für die Erstellung des Registers verantwortlich. Unter der Leitung des Leiters dieser Abteilung, Norris E. Drew, wurden die oben genannten redaktionellen Aufgaben von der Redaktionsabteilung für Außenbeziehungen unter der Leitung von Elizabeth A. Vary (Leiterin) und Ouida J. Ward (stellvertretende Leiterin) durchgeführt.
Um diesen Band so vollständig und nützlich wie möglich zu gestalten, nutzte das Außenministerium nicht nur seine eigenen Ressourcen, sondern suchte auch die Zusammenarbeit mit anderen Behörden und Einzelpersonen, denen es für ihre Unterstützung dankbar ist. Besonderer Dank gilt Vernon E. Davis von der Historischen Abteilung des Generalstabs und Walter G. Hermes vom Büro des Leiters der Militärgeschichte des Heeresministeriums.1S. III.

Die ausführliche Einführung enthält eine Übersicht der bis 1960 erschienenen Erinnerungen an die Konferenz sowie über die den Archiven übergebenen Nachlässe.

Es war unmöglich, in einem einzigen Band eine vollständige und detaillierte Dokumentation über einen längeren Zeitraum zu jeder einzelnen Frage der Konferenz zu präsentieren. Viele dieser Fragen werden in den jährlichen Bänden der Zeitschrift „Foreign Relations“ für das Jahr 1945 ausführlich behandelt. Bis zur Veröffentlichung dieser Bände muss derjenige, der sich mit der Berliner Konferenz befasst, auf andere Quellen zurückgreifen, wenn er deren Hintergrund eingehend studieren und internationale Krisen und Entwicklungen der ersten Monate des Jahres 1945 in seine Untersuchung einbeziehen möchte, die bereits vor Beginn der Konferenz gelöst oder besprochen waren, dass sie dort nicht diskutiert wurden (und daher außerhalb des Rahmens dieses Bandes liegen). … Darüber hinaus empfiehlt sich für den Leser das wöchentliche Bulletin des US-Außenministeriums sowie die unten aufgeführten maßgeblichen Quellen, die Stand November 1959 sind. Das US-Außenministerium übernimmt mit der Auflistung dieser Bände hier keine Verantwortung für die vollständige Richtigkeit ihrer Darstellung der Ereignisse von 1945 oder selbstverständlich auch nicht für deren Interpretation.2Ebenda, S. X.

Für die Diplomatie-Geschichte bietet die Quellenedition einen Fundus, der offensichtlich bis heute noch nicht vollständig ausgewertet wurde. Das trifft auch für die darin angeführten sonstigen Primärquellen und vor allem für die aufgeführten Sekundärquellen zu.

Bei der Präsentation der Dokumentation zu den Konferenzthemen vom 18. Juni bis 15. Juli 1945 wurde nicht versucht, den Umfang der Dokumentation zu einem bestimmten Thema in der unmittelbaren Vorkonferenzzeit dem Umfang der Diskussion oder der Bedeutung des Themas auf der Konferenz anzupassen. Bei einigen wichtigen Konferenzthemen, wie beispielsweise Deutschland, ist der Umfang der Vorkonferenzdokumentation und der Konferenzdiskussionen sehr groß. Bei anderen Themen, wie dem Balkan und Tanger, gab es jedoch in der unmittelbaren Vorkonferenzzeit eine intensive diplomatische Aktivität, die sich in diesem Band vollständig widerspiegelt, obwohl der Umfang der Diskussion dieser Probleme auf der Konferenz selbst relativ gering war.
Wenn die Herausgeber der Ansicht waren, dass die Dokumentation der Entwicklungen im letzten Monat vor der Berliner Konferenz unter den oben beschriebenen Standards, zusammen mit den Briefing-Book-Papieren und anderem Hintergrundmaterial, kein ausreichendes Bild vom Stand einer einzelnen Frage am Vorabend der Konferenz vermittelte, wurden wichtige Dokumente aus der Vergangenheit in den Fußnoten dieses Bandes zitiert oder zusammengefasst.
Gemäß der oben zitierten Regelung bat das Außenministerium, da die Berliner Konferenz sowohl militärische als auch politische Probleme behandelte, das Verteidigungsministerium um Unterstützung bei der Suche und Freigabe von Dokumenten zu den militärischen Aspekten der Konferenz. Diese Unterstützung wurde gewährt. In diesem Band handelt es sich um Dokumente, die die offizielle Position oder Empfehlung des Kriegs- und Marineministeriums zu politisch-militärischen Themen dokumentieren, die später auf internationaler Ebene auf der Berliner Konferenz erörtert wurden. Diese Dokumente wurden von den zivilen Leitern dieser Ministerien und den Militärchefs in ihrer Funktion als Mitglieder der Vereinigten Stabschefs und des Gemeinsamen Stabschefs vorgelegt. Darüber hinaus wurden einige Dokumente aufgenommen, die von militärischen Stellen unterhalb dieser Ebenen stammen oder übermittelt wurden, um Verweise in anderen Dokumenten zu verdeutlichen oder Informationen darzulegen, die für die Konferenz relevant sind und dem Präsidenten oder seinen wichtigsten Beratern mitgeteilt wurden, aber in den Dokumenten des Außenministeriums unzureichend wiedergegeben sind.3Ebenda, S. X, XII bis XIII.

Die Vorbereitung der Potsdamer Konferenz wird sehr ausführlich behandelt. Einzelne Dokumente geben Auskunft über Hintergründe der Tätigkeit der US-Delegation und der sowjetischen Gastgeber. Die Sozialgeschichte der Konferenz – sowohl aus Sicht der Teilnehmer als auch der der betroffenen deutschen Seite – wird dagegen kaum behandelt.

Die großartige wissenschaftliche Leistung, die seitens der USA erbracht wurde, fand kaum Beachtung bei den Rezensenten. Und leider knüpften weder Großbritannien noch die Sowjetunion mit eigenen Quelleneditionen daran an.

Erst 1984 kam in Großbritannien eine Quellenedition zur Potsdamer Konferenz heraus: Documents on British Policy Overseas, Ser. 1: 1945– 1950, Bd. 1: The Conference at Potsdam, July– August 1945, London 1984.

1975

Meeting at Potsdam“ war der Titel eines von Charle L. Mee Jr. 1975 veröffentlichten Buches. Anlass war der 30. Jahrestag der Potsdamer Konferenz.

Anhand von Logbüchern, Augenzeugenberichten und jüngst freigegebenen Konferenzprotokollen rekonstruiert Charles Mee anschaulich diesen entscheidenden Moment der jüngeren Geschichte, als drei Männer zusammenkamen, um Frieden und ein neues Gesicht für Westeuropa zu schmieden, aber in Wirklichkeit eine dreiseitige Erklärung des Kalten Krieges unterzeichneten.

Die kurze Beschreibung vom Schutzumschlag des Buches vermeldet nicht, dass Mee als erster Historiker den Hintergrund der Konferenz beleuchtet. Dies aber mit einer sehr sparsamen Auswertung von Literatur erledigte. Trotz allem waren die im Buch enthaltenen Informationen für die Leserschaft neu. Was wichtig für den Verkauf war. Der wissenschaftliche Wert ist gering, gibt es doch keinerlei wissenschaftlichen Apparat und nur eine wenige Zeilen umfassende Übersicht der von ihm verwendeten Literatur.
Unter dem Titel „Die Teilung der Beute“ erschien es 1975 in deutscher Übersetzung im Verlag Fritz Molden, Wien. Die Bewertung fiel knapp, aber kritisch aus.

An Charles L. Mee Herangehensweise knüpfte jedoch kein Historiker bzw. Publizist an.

1985

Zum 40. Jahrestag der Konferenz erschien 1985 in der Reihe „Illustrierte Historische Hefte“, herausgegeben vom Zentralinstitut Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR, die Nr. 36 mit dem Titel „Code´Terminal`. Die Potsdamer Konferenz“.
Prof. Dr. phil. habil. Rolf Badstübner beschreibt darin auch das Umfeld, in dem die Konferenz stattfand. Quellenangaben zur verwendeten Literatur und zu den abgebildeten Fotos und Karten sind nicht enthalten. Besonders hervorzuheben sind die von Badstübner verwendeten und in einer Karte fetsgehaltenen Informationen zum Weg, den die Delegationen zwischen ihren Residenzen in Neubabelsberg und dem Tagungsort Schloss Cecilienhof zurücklegten. Dass es dazu widersprüchliche Informationen gibt, wurde nicht thematisiert. Die Anreise der Großen Drei – Stalin, Truman und Churchill – wird, dem populärwissenschaftlichen und agitatorischen Charakter des Heftes entsprechend, knapp abgehandelt.

1992

Von 1992 bis 1994 arbeitete in Potsdam der Wissenschaftliche Beirat zur Neugestaltung der Historischen Stätte im Schloss Cecilienhof. Hintergrund war die Eingliederung der bisherigen „Historische Gedenkstätte des Potsdamer Abkommens“ der DDR in den Bestand der in Gründung befindlichen Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). 1995 war dies vollzogen und seit 1994 Harald Berndt Schlossbereichsleiter.

Die Zuwendungsgeber der in Gründung befindlichen SPSG – die Länder Berlin und Brandenburg sowie die Bundesrepublik Deutschland –  hatten Anfang der 1990er Jahre gefordert, „das Schloss Cecilienhof als historische Stätte der Potsdamer Konferenz für nachkommende Generationen zu bewahren“. Eine externe Historikerkommission, bestehend aus dem Sowjetunionexperten Prof.  Alexander Fischer (Köln), dem Zeithistoriker Prof. Arnulf Baring (Berlin-West) und dem Russlandkenner Dr. Eduard Gloeckner (Potsdam/Berlin-West), empfahl, „den Schwerpunkt der Präsentation auf der Konferenz der Siegermächte von 1945 zu belassen, aber gleichzeitig die Ausstellungskonzeption vollständig zu überarbeiten … sowie den musealen Bereich um Räume zu erweitern, die man ausschließlich der Baugeschichte und den ersten Bewohnern des Schlosses widmen sollte“.

Der Bereichsleiter von Schloss Cecilienhof Harald Berndt schrieb 2008 in der SPSG-Zeitschrift „Zeitenblicke“:

Mittlerweile waren zahlreiche Fachveröffentlichungen über die Zeit der Potsdamer Konferenz und des Kalten Krieges erschienen. Von diesen wurde der auf intensiven Recherchen, unter anderem in den inzwischen freigegebenen amerikanischen Archiven4Welche „freigegebenen amerikanischen Archive“ Berndt meint, ist nicht erkennbar. Doch woher hatte Charles L. Mee bereits 1972 seine Informationen, wenn nicht aus den US-Archiven?, beruhende Aufsatz von Manfred Görtemaker von der Universität Potsdam zur Grundlage für die Arbeit der Mitarbeiter in Schloss Cecilienhof.5Berndt, Harald: Schloss Cecilienhof – nur eine Gedenkstätte? Anmerkungen zum konzeptionellen Umgang mit dem letzen Schlossbau der Hohenzollern. In: Zeitenblicke Nr. 1/2008

Erstaunlich ist, dass der Beirat und seine Mitglieder keine publizistischen Spuren hinterließen. Auch auf der Internetseite der SPSG ist nichts über ihn zu finden. Einen Online-Katalog der bei der SPSG archivierten Dokumente gibt es nicht. Doch warum wurden wissenschaftliche Kapazitäten für eine wichtige Aufgabe, wie die Neugestaltung der Ausstellung im Schloss Cecilienhof, verpflichtet, wenn die Ergebnisse nicht öffentlich gemacht wurden und werden?

Dr. Manfred Görtemaker war 1992 an die durch Umbau der bisherigen Pädagogischen Hochschule Potsdam in Gründung befindlichliche Universität Potsdam berufen worden. Vermutlich hatte Prof. Baring daran mitgewirkt, der über gute Beziehungen zum Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dr. Manfred Stolpe, verfügte. Görtemaker erhielt eine Ordentliche Professor für Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt 19./20. Jahrhundert. Von 1992 bis 1994 gehörte er dem Wissenschaftlichen Beirat zur Neugestaltung der Historischen Stätte im Schloss Cecilienhof an. Von 1996 bis 2004 war er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam und von 2005 bis 2011 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Menschenrechtszentrums der Universität Potsdam sowie von 2009 bis 2015 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Point-Alpha-Stiftung. Von 2006 bis 2010 wirkte er als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats Memorium Nürnberger Prozesse  an der Einrichtung eines Museums im Justizpalast in Nürnberg mit, das an die Nürnberger Prozesse von 1945 bis 1949 erinnert und zugleich die Geschichte der Völkerstrafrechtspolitik von den Haager Konferenzen bis zum 2002 eingerichteten Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (IStGH) dokumentiert.6https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_G%C3%B6rtemaker

Welche wissenschaftlichen Leistungen bzw. Veröffentlichungen Görtemaker für die Mitwirkung im Beirat für die Umgestaltung der Gedenkstätte im Schloss Cecilienhof empfahlen, ist nicht bekant. Namhafte Völkerrechtler bzw. Kenner der Geschichte der Potsdamer Konferenz aus der DDR, wie Rolf Badstübner, Wolfgang Seiffert oder Karl Fritz Enderlein bzw. Bernhard Graefrath, erhielten keinen Ruf. Dabei hätte gerade die Ost-West-Sicht spannende Ergebnisse zeitigen können.

Bis 1995 gab es keine Arbeiten Görtemakers, die sich konkret mit der Potsdamer Konferenz befassten. Zwischen Krieg und Frieden. Die Potsdamer Konferenz 1945. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament B 28/95 v. 7. Juli 1995 ist die erste bekannte.

1993

Die erste Information über die Tätigkeit des Beirats ist einem Artikel der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom 12. August 1993 zu entnehmen:

Neu gestaltet: Die Gedenkstätte Cecilienhof Die Ausstellung im Schloß Cecilienhof, in dem im Sommer 1945 die „Potsdamer Konferenz“ der drei Hauptsiegermächte des Zweiten Weltkriegs stattfand, erhält eine neue Gestalt.
Die erste Stufe der Veränderungen wurde jetzt abgeschlossen. Es handelt sich dabei vor allem um eine neue historische Darstellung der Konferenz, ihrer Vorgeschichte und ihrer Folgen. Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 hatten in Cecilienhof der amerikanische Präsident Truman, der sowjetische Staats- und Parteichef Stalin und der britische Premierminister Churchill, der noch während der Verhandlungen nach einer Wahlniederlage durch den Labour-Politiker Clement Attlee abgelöst wurde, über die künftige Ordnung Deutschlands und Europas beraten. Der Potsdamer Historiker Manfred Görtemaker, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats für die Umgestaltung, erinnerte bei der Präsentation des neuen Konzepts an die politische Instrumentalisierung der Gedenkstätte zu DDR-Zeiten, die nun vorbei sei. So werde jetzt etwa auf den Erläuterungstafeln ausgeführt, daß alliierte Pläne zur Aufteilung Deutschlands in mehrere Staaten auf der Potsdamer Konferenz auf britische Initiative aufgegeben wurden – und nicht, wie früher in Cecilienhof dargestellt, auf Betreiben der Sowjetunion. Auch sei nun zu lesen, daß die endgültige Festlegung des Verlaufs der polnischen Westgrenze in Potsdam einem Friedensvertrag vorbehalten wurde. Der rote Stern im Innenhof des Schlosses, eigens für die Konferenz mit Rosen angepflanzt, soll als Teil der historischen Stätte erhalten bleiben. Neben der Korrektur eines sowjetisch geprägten Geschichtsbilds soll die Umgestaltung der Ausstellung den Blick auf Cecilienhof als letzten Schloßbau der Hohenzollern lenken. Cecilienhof war von 1914 bis 1917 unter der Leitung des Architekten Paul Schultze-Naumburg im Tudor-Stil englischer Landhäuser für den Kronprinzen Wilhelm und seine Frau Cecilie errichtet worden. Die Besucher erfahren auch, daß Wilhelm nach seiner Rückkehr aus dem holländischen Exil mehrmals Adolf Hitler in Cecilienhof empfing: 1926, 1933 und 1936. Der amtierende Generaldirektor der Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci, Hans-Joachim Giersberg, erklärte, daß in der zweiten Phase der Neugestaltung mehrere Räume des Schlosses als Museum zur Information über das Leben der Kronprinzenfamilie und über die künstlerische und kunstgewerbliche Formenwelt zu Beginn des Jahrhunderts hergerichtet würden. Zugleich soll dann die Darstellung des Gipfeltreffens von 1945 mit einer Videodokumentation und weiteren Exponaten bereichert werden; der Aufbau einer Spezialbibliothek ist ebenfalls vorgesehen. Für 1995 kündigte Görtemaker eine wissenschaftliche Tagung über die Potsdamer Konferenz an, die neben den bislang ausschließlich herangezogenen amerikanischen Akten auch britische und vor allem sowjetische Dokumente über das Treffen der „Großen Drei“ berücksichtigen werde. JR 7Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.1993, Nr. 185, S. 25

JR ist Jan Roß.

1995

Eine nennenswerte Veröffentlichung zur Potsdamer Konferenz erschien zum 50. Jahrestag. „Schloß Cecilienhof und die Potsdamer Konferenz 1945. Von der Hohenzollernwohnung zur Gedenkstätte“ lautete der Titel des überwiegend von Dr. Frank Bauer und Tony Le Tissier erarbeiteten und mit einem Vorspann von Prof. Dr. Manfred Görtemaker versehenen Buches. Herausgeber waren die Chronos-Film GmbH von Bengt von zur Mühlen und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.
Es gibt ein Quellen- und Literaturverzeichnis jedoch keine Anmerkungen sowie keine genauen Quellenangaben für die verwendeten Fotos und Karten. Was den wissenschaftlichen Wert beeinträchtigt. Der Militärhistoriker Lt. Col. a.D. Tony Le Tissier steuerte aus seiner früheren Tätigkeit als Militärgouverneur des Kriegsverbrechergefängnisses Spandau und als Publizist bis dahin unbekannte Dokumente zum Bereich der britischen Delegation in Neubabelsberg bei.
Besonders hervozuheben ist die chronologische Beschreibung der Konferenztage.

Der von Manfred Görtemaker beigesteuerte Text ist weitgehend identisch mit dem vorstehend erwähnten Beitrag „Zwischen Krieg und Frieden. Die Potsdamer Konferenz 1945„. Welcher von beiden Texten zur Pflichtlektüre für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Schloss Cecilienhof und die Führungskräfte gemacht wurde (wie Harald Berndt schrieb), ist nicht bekannt. Der vom 7. Juli 1995 wohl nicht. Darin war noch die Aussage enthalten, dass auch Jena als möglicher Konferenzort in Betracht gezogen worden wäre. In Betracht kommt auch noch ein Text, den Görtemaker 1990 gemeinsam mit Manuela Hrdlicka bei der Landeszentrale für politische Bildung Berlin veröffentlicht hatte. Als Heft 245 erschien er 2000 mit dem Titel „“Internationale Beziehungen I. Der Ost-West-Konflikt“ als Heft 245 in der Reihe „Informationen zur politischen Bildung“ der Bundeszentrale für Politische Bildung (BPB). In den Literaturhinweisen ist kein Hinweis auf Primärquellen enthalten und die angegebene Sekundärliteratur befasst sich nicht direkt mit den Vorgängen in Potsdam und insbesondere im Schloss Cecilienhof. Hinweise auf Archivrecherchen konnten auch nicht zu dem Beitrag für die Beilage der Zeitschrift „Das Parlament“ gefunden werden.

Die Publikation der Chronos-Film GmbH und der SPSG hätte, wissenschaftlich gefördert von Prof. Dr. Manfred Görtemaker, den Ausgangspunkt für umfangreichere Forschungen zur Geschichte der Potsdamer Konferenz bilden können.
In Form einer Zusammenarbeit von ost- und westdeutschen Historikern mit Amerikanern, Briten und Russen. Doch diese kam nie zustande und es ist auch nicht bekannt, dass sie von den sich in Potsdam für die Geschichte zuständig fühlenden Wissenschaftseinrichtungen und Wissenschaftlern angestrebt wurde. Dabei gab es einen guten Ansatz:

Zum 50. Jahrestag der Potsdamer Konferenz fand das internationale Symposium „Potsdam 1945 – 1995“ statt, das die Landeszentrale und das Historische Institut der Universität Potsdam in Zusammenarbeit mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten im Schloss Cecilienhof durchführten. Deutsche, polnische, russische und britische Fachleute referierten zur Deutschland- und Europapolitik am Ende des Zweiten Weltkrieges und spannten einen Bogen zur Gegenwart.8Künzel, Werner, Das erste Jahrzehnt der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung, Mai 2011

Die Suche nach dem Protokoll der Veranstaltung oder einer Publikation mit den Redebeiträgen war weder auf den Seiten der Landeszentrale für Politische Bildung Brandenburg erfolgreich noch im Online-Katalog der Universitätsbibliothek Potsdam.

Ein Beitrag in der Zeitung „Der Tagesspiegel“ vom 01.08.1995 ist der bislang einzige Hinweis auf die Veranstaltung. Der Autor Ch. B. ist vermutlich Christian Böhme.

Deutschlands Zukunft liegt in Europa. Politiker und Historiker gedachten im Schloss Cecilienhof der Potsdamer Konferenz vor 50 Jahren.
(Ch.B.).
Mit einer Festveranstaltung im Schloss Cecilienhof ist am Montag abend an die Potsdamer Konferenz vor 50 Jahren erinnert worden. Die Politiker und Historiker betonten in ihren Reden die Bedeutung des letzten Gipfeltreffens der Alliierten fuer die deutsche und europaeische Nachkriegsordnung. Zur Feier im Cecilienhof, wo vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 die USA, die Sowjetunion und Grossbritannien ueber eine Friedensordnung nach dem Sieg ueber Hitler berieten, hatten die Brandenburgische Landeszentrale fuer politische Bildung, die Stiftung Preussische Schloesser und Gaerten Berlin-Brandenburg und das Historische Institut der Universitaet Potsdam eingeladen. Potsdam stehe nicht nur fuer Deutschlands Untergang und den Ost-West-Gegensatz nach dem Krieg, sondern auch fuer den Neuanfang nach der Katastrophe, sagte der Staatsminister im Auswaertigen Amt, Helmut Schaefer, vor zahlreichen Gaesten. In den vergangenen fuenf Jahrzehnten sei es Deutschland gelungen, „vereint zu sein im friedlichen Einvernehmen mit seinen Nachbarn“. Der Begriff Integration habe wie kein anderes Wort seither die Aussenpolitik der Bundesrepublik bestimmt. Auch in Zukunft gehoere der Ausbau der europaeischen Einheit zu den wichtigsten Aufgaben. „Deutschlands Zukunft liegt in Europa.“ Schaefer betonte aber auch, dass das Ende des Kalten Krieges und die Aufloesung des frueheren kommunistischen Machtbereichs ethnische Konflikte wie den im ehemaligen Jugoslawien habe wiederaufleben lassen. „Es muss daher ein Netz kooperativer Sicherheit entwickelt werden, das alle Staaten Europas umfasst.“ Brandenburgs Ministerpraesident Manfred Stolpe hob in seiner Ansprache hervor, dass man in den Potsdamer Beschluessen keinen „Teilungsplan“ sehen koenne. „Die Spaltung Deutschlands war das Ergebnis der Uneinigkeit ueber ein gemeinsames Konzept fuer die Wiederherstellung der deutschen Staatsgewalt.“ Dennoch habe das deutsche Volk durch die Alliierten die Chance erhalten, „die durch den Nationalsozialismus unterbrochene demokratische Entwicklung fortzusetzen“, sagte Stolpe. Auch andere Entscheidungen der Konferenz wirkten noch bis heute nach. So gehoere es zu den vornehmsten Aufgaben der deutschen Aussenpolitik, die Graeben zwischen dem westlichen und oestlichen Teil Europas einzuebenen. „Deutschland ist heute ein Anwalt der Interessen der Staaten Mittel- und Osteuropas“, sagte der SPD-Politiker.

2002

Claus-Dieter Steyer berichetete am 19. Mai 2002 in der Rubrik „Reise“ der Zeitung „Der Tagesspiegel“

Geheimnisse noch nicht alle gelüftet. Sonderausstellung in Schloss Cecilienhof.
VON CLAUS-DIETER STEYER
Spielte der amerikanische Präsident Truman während der Potsdamer Konferenz im Schloss Cecilienhof auf dem Klavier?Das wird wohl auch künftig nie eindeutig zu belegen sein. In den von der US-Delegation genutzten Räumen des Kronprinzenpaares stand jedenfalls ein Flügel. Vielleicht setzte sich das für amerikanische Präsidenten offenbar typische musikalische Talent auch nur ungenau in den Erinnerungen von Zeitzeugen fest. In der später in „Truman-Villa“ umbenannten Herberge in Babelsberg fehlte es jedenfalls nicht an Instrumenten. So geben die möglichen Pausenunterhaltungen am Klavier weiter viel Stoff für Anekdoten, die die Museumsführer so gern erzählen. Selbst jüngste wissenschaftliche Untersuchungen über jene Dreierkonferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945, die das Schloss so berühmt machten, konnten nicht alle Geheimnisse lüften. „Der amerikanische Secret Service stellte uns zwar einige wertvolle Pläne und Dokumente zur Verfügung“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Schlösserstiftung, Heidi Hänel. „Damit können wir jetzt eindeutig einzelne Räume der amerikanischen Delegation zuordnen, aber die Unterbringung der britischen Seite und andere Dinge lassen immer noch einige Fragen offen.“Der Weg zu den Londoner Geheimdienstakten bleibt steinig. Immerhin reichen die neuen Forschungsergebnisse für eine Sonderausstellung. Bis Ende Oktober kann sie zu den üblichen Öffnungszeiten unter dem Titel „Vier Türen, Drei Staaten, Ein Tisch – Inszenierung eines Ortes“ besichtigt werden. Bisher in dieser Form noch nicht gezeigte Dokumente, Fotos, Plastiken, Stalin- und Leninbüsten und andere Exponate sind hier zusammengetragen worden. Ein runder Jahrestag gab den Ausschlag. Vor 50 Jahren übergaben die sowjetischen Militärs das Schloss Cecilienhof an das damals noch bestehende Land Brandenburg. Die „Nationale Gedenkstätte des Potsdamer Abkommens“, wie die Ausstellung zu DDR-Zeiten hieß, wurde zu einem der meistbesuchten Museen in Potsdam. „Noch heute steht Cecilienhof innerhalb der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten auf Rang drei – hinter Sanssouci und Schloss Charlottenburg“, sagt Schlösserdirektor Burkhardt Göres. Mehr als 13 Millionen Besucher passierten die Kasse. 99 Prozent von ihnen wandelten durch die historischen Konferenzräume. Die früheren Gemächer des Kronprinzenpaares, durch die seit einiger Zeit zwei Mal täglich Führungen angeboten werden, locken nur ganz speziell Interessierte an. Vielleicht würde das ein ähnlich spannender Titel wie für die jetzige Sonderausstellung ändern. Dessen Auflösung fällt nicht besonders schwer. „Ein Tisch“ – es gab nur den einen eigens für die Konferenz aus der Sowjetunion herbeigeschafften Koloss; „Drei Staaten“ – die USA, Großbritannien und die Sowjetunion trafen sich hier vor dem heraufziehenden Kalten Krieg zum letzten Mal; „Vier Türen“ – jede Delegation besaß zum Konferenzsaal in der eigentlichen Wohnhalle einen eigenen Zugang. Die Himmelsrichtung bestimmt die Verteilung der Arbeitszimmer. Einzig die vierte Tür gibt heute noch manchmal Anlass für Fantasie-Geschichten. „Die war schlicht und einfach für die Presse bestimmt“, lässt der Schlösserdirektor alle Spekulationen platzen. Hin und wieder wird in einigen auch im Internet verbreiteten Schriften die Rolle der Potsdamer Konferenz herabgestuft. Gewiss, die deutschen Teilungspläne waren schon in Jalta abgesegnet worden. Doch Stichworte wie „Festlegung der neuen Westgrenze Polens“ und „Höhe der Reparationszahlungen Deutschlands an die überfallenen Länder“ genügen, um Anziehungskraft auf Besucher auszuüben. Entsprechend lang und bunt ist die Liste auch der bekannten Namen, die in Cecilienhof den Atem der Geschichte fühlen wollten: Sie reicht vom ersten DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck (1954) über den sowjetischen Außenminister Andrej Gromyko (1970), den UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim und die US-Bürgerrechtlerin Angela Davis (beide 1975), den Komponisten Mikis Theodorakis (1981), Michail Gorbatschow (1986) bis zu Prinz Charles (1995) und zur dänischen Königin Margrethe II. im Jahre 1999. Stalin-Büste erstaunlich gut erhaltenNur 36 von 176 Räumen des zwischen 1913 und 1917 im Tudor-Stil englischer Landhäuser erbauten Schlosses wurden für die Potsdamer Konferenz genutzt. Doch die gesamte Anlage stand wie der Neue Garten damals unter sowjetischer Kontrolle. Im Marmorpalais wurde ein Offizierskasino eingerichtet. Zwar erfolgte Anfang der fünfziger Jahre eine schrittweise Rückgabe der Anwesen an die deutsche Seite. Aber viele Gebäude und Grundstücke blieben im so genannten KGB-Städtchen bis nach der Wende 1990 besetzt. Aus Anlass der Ausstellung kommen nun auch einige lange Zeit im Depot verschwundene Utensilien wieder ans Licht. Bis zum einschneidenden Parteitag der Kommunistischen Partei des Sowjetlandes 1956 hingen zahlreiche Abbildungen Stalins über dem Kamin im früheren Arbeitszimmer der sowjetischen Delegation. Das Vestibül schmückte eine Büste des Herrschers, die die Zeit erstaunlich gut überstanden hat. Vielleicht gibt das schon wieder Stoff für neue Spekulationen rund um Cecilienhof. CECILIENHOF – viel fotografierte Geschichtskulisse.

2005

Die „Berliner Morgenpost“ berichtete am 7. Februar 2005 auf S. 20:

Schlichtes Gedenken zum 60. Jahrestag des Potsdamer Abkommens Potsdam – Die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Potsdamer Konferenz fallen bescheidener aus als ursprünglich geplant.
Eine hochrangige Veranstaltung im Schloß Cecilienhof, wo vom 17. Juli bis am 2. August 1945 die Staatschefs der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs getagt und das Potsdamer Abkommen unterzeichnet hatten, wird es nicht geben. Der große runde Tisch, an dem sich die Delegationen versammelten, bildet den Mittelpunkt einer von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten vorgesehenen kleinen Ausstellung. „Wir bemühen uns um Originaldokumente“, sagt Kastellan Harald Berndt. Das Einstein Forum plant in Zusammenarbeit mit der Schlösserstiftung am 16. Juli eine Tagung unter dem Titel „Paradigma Potsdam? Wege zur Demokratie“ sowie am 18. Juli eine Festveranstaltung in Cecilienhof, so Rüdiger Zill vom Einstein Forum. Das städtische Potsdam-Museum will mit einer Schau vom 4. März bis 4. August die Rahmenbedingungen des Gipfeltreffens beleuchten. „Tag um Tag – Potsdam im Jahr 1945“ ist die Ausstellung an der Benkertstraße im Holländischen Viertel überschrieben, kündigt Museumschef Hannes Wittenberg an. Potsdam will mit eigenen Veranstaltungen einen Bogen spannen von der Zerstörung der Stadtmitte im April 1945 bis hin zu den Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit, die 2005 in der Landeshauptstadt stattfinden. Im April soll der Grundstein für den Wiederaufbau der Garnisonkirche gelegt. werden. Das Interesse an dem Thema ist groß, so Christian Tänzler, Sprecher der Tourismus Land Brandenburg GmbH. „Speziell auf Messen werden wir immer wieder gefragt, was zu dem Jubiläum stattfindet“, so Tänzler. Vor allem Gäste aus Übersee und Japan wollen aus diesem Anlaß nach Potsdam kommen. dwh (Dieter Weirauch)

Wie Michael Erbach, Chefredakteur der „Potsdamer Neueste Nachrichten“ am 11. Februar 2005 tat sich die Stadt schwer mit dem Gedenken an die Ereignisse von 1945 in Potsdam.

Jakobs lehnt Idee für Kunstaktion ab
Diskussion um Programm zum 60. Jahrestag der Befreiung
Eine geplante Kunstaktion, bei der fahrende Panzerattrappen in der Stadt und simuliertes Sirenengeheul auf spektakuläre Weise an das Kriegsende 1945 erinnern sollen, findet keine Zustimmung bei Oberbürgermeister Jann Jakobs. „Ich habe große Bedenken, eine solche Aktion in Potsdam durchzuführen“, sagte Jakobs am Mittwoch im Hauptausschuss. Wie Elona Müller, Beigeordnete für Ordnung, berichtete, sei die von Berlin aus geplante Kunstaktion bereits vom Bundestag abgelehnt worden. Es sei davon auszugehen, dass eine solche Aktion zu massiven Beeinträchtigungen des städtischen Lebens führen würde. „Kunst und Bürgerbelange müssen abgewogen werden“, sagte Müller. Der Vorschlag befinde sich noch in der Prüfung Ein Arbeitspapier der Stadtverwaltung mit dem vorläufigen Programm zum Gedenken an den 60. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus sorgte im Ausschuss für längeren Diskussionsstoff. Vertreter von PDS und Die Andere kritisierten, dass in der Überschrift des Papiers zunächst vom „60. Jahrestag des Kriegsendes“ die Rede war. PDS-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg verwies auf den Stadtverordnetenbeschluss, wonach Potsdam den Tag der Befreiung begehen werde. „An diese Formulierung sollten wir uns auch halten“, so Scharfenberg. Axel Kruschat (Die Andere) betonte, „dass es ein Tag der Befreiung war“ – auch wenn danach keine demokratische Gesellschaft in der sowjetischen Besatzungszone entstanden sei. Als dann auch Vertreter der Grünen und der SPD diese Haltung unterstützten, versicherten sowohl Oberbürgermeister Jann Jakobs wie auch die Kulturbeigeordnete Gabriele Fischer, dass das Arbeitspapier entsprechend verändert werde. Mit in das Jahresprogramm aufgenommen werden soll nun auch die Ehrung am eigentlichen Tag der Befreiung, dem 8. Mai. Karin Schröter (PDS) hatte kritisiert, dass die traditionelle Kranzniederlegung wie auch weitere Veranstaltungen am Jubiläums-Tag fehlen würden. Einigkeit herrschte hingegen, dass das Konzept der Stadt – nämlich die Veranstaltungen zum 60. Jahrestag von Kriegsende, Befreiung und Beginn der Nachkriegszeit auch über das ganze Jahr 2005 zu verteilen – unterstützt wird. Jakobs: „Wir sind nicht allein auf den 8. Mai focussiert.“ Zentraler Beitrag der Stadt soll dabei die Sonderausstellung „Tag um Tag – Potsdam im Jahr 1945“ sein, die vom 23. März bis 4. September in der Benkertstraße 3 gezeigt wird. Zur Ausstellungseröffung ist eine symbolische Kartoffelpflanzaktion geplant, mit der daran erinnert werden soll, dass 1945 auf beinahe allen Plätzen der Stadt Kartoffeln angebaut wurden, um dem Hunger zu entgehen. Zu den Partnern der Stadt bei den Programmpunkten im Jubiläumsjahr gehören die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, das Einstein Forum, das Hans Otto Theater, die Stadt- und Landesbibliothek und weitere kulturelle Einrichtungen. Höhepunkt soll eine Festveranstaltung am 18. Juli am historischen Ort des Potsdamer Abkommens im Schloss Cecilienhof sein, zu der hochrangige Vertreter der europäischen Politik erwartet werden, wie Jakobs erklärte. Er begründete diesen Termin mit der Tatsache, dass nicht das Datum 8. Mai, sondern die Potsdamer Konferenz als historisches Ereignis mit der Stadt verbunden werde. Weitere Programmpunkte sind Vorträge zum verheerenden Luftangriff auf Potsdam im April 1945, ein Workshop des Einstein Forums „Paradigma Potsdam? Wege zur Demokratie?“ eine Ausstellung „Sektor Panzerhalle – 10 Jahre Atelierhaus“ mit dem Blick auf die Potsdamer Konferenz, ein Gedenkkonzert zur Zerstörung der Stadt am 14. April und die symbolische Grundsteinlegung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche am gleichen Tag. Michael Erbach 9https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/panzerattrappen-und-sirenen-zum-gedenken-an-1945-7651804.html

Am 13. Februar 2005 infomierte D. B. in einem Zeitungsbeitrag über den Stand der Arbeiten für die Ausstellung:

Derzeit sind die Museumsmitarbeiter mit den letzten Vorbereitungen für die Eröffnung der Sonderausstellung zum Gedenken des 60. Jahrestages der Befreiung “Tag um Tag – Potsdam im Jahr 1945”, die am 23. März in den Räumen der Benkertstraße 3 eröffnet werden soll, beschäftigt. Für die Ausstellung, die das Leben der Potsdamer vor und nach dem Kriegsende anhand von alltäglichen Dingen zeigen soll, habe das Museum mittlerweile für jeden Tag des Jahres 1945 die Wetterberichte zusammengestellt. Trotzdem sei die Ausstellung noch immer auf die Leihgaben von Zeitzeugen angewiesen, erklärte Wittenberg. Daneben wird an dem Begleitprogramm, das unter anderem Vorträge, Lesungen, Sonderführungen und Konzerte umfassen soll, gearbeitet.10https://inforiot.de/wetterberichte-von-1945-im-potsdam-museum/

Die Ausstellung ging letztlich vom 23. März bis 4. September 2005.

Mit dieser Ausstellung im Potsdam-Museum leistet die Stadt einen zentralen Beitrag zum Gedenken an das Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und den Neubeginn in schwierigen Zeiten.11https://zeitgeschichte-online.de/themen/veranstaltungen-zum-60-jahrestag-des-kriegsendes-und-der-befreiung-vom-nationalsozialismus

2009

Ausbildungskonzeption Schloss Cecilienhof“ stand über einem 26 Seiten umfassenden Dokument mit 6 Seiten Anhang, das die Grundlage für die Ausbildung und die Tätigkeit der Schlossführerinnen und Schlossführer bilden sollte. 14 Jahre waren seit Beendigung der Tätigkeit des Wissenschaftlichen Beirats zur Neugestaltung der Historischen Stätte im Schloss Cecilienhof verflossen und es kann davon ausgegangen werden, dass in die Ausbildungskonzeption auch seine Arbeitsergebnisse sowie die nachfolgender Forschung einflossen.

Für die Baugeschichte von Schloss Cecilienhof und für die Sozialgeschichte der Eigentümer aus dem Haus Hohenzollern mag das zutreffen. Doch diese endet mit dem ersten Vierteljahr 1945. Keinerlei Hinweise auf die Zeit vor der Besetzung durch die Rote Armee und die in die Vorgänge involvierten Personen, wie z. B. Arthur Berg, oder auf die Vorbereitung des Schlosses für die Konferenz bzw. deren Nutzung während und nach den Tagungen.

Fehlanzeige auch bezüglich von Hinweisen auf das Umfeld der Konferenz. Lediglich folgende Bemerkung wurde eingearbeitet:

Der Potsdamer Ortsteil Babelsberg wurde als Unterbringungsort der Delegationen hergerichtet. Gründe lagen in der Tatsache, dass es nur wenige beschädigte Gebäude gab und die einzelnen Zufahrten gut zu überwachen waren. Für die Dauer der Konferenz wurde Babelsberg wie Berlin in drei Sektoren aufgeteilt, die durch Schlagbäume getrennt waren und mit den jeweiligen Landeswappen versehen waren. Für jede Delegation wurden 6 bis 8 Villen hergerichtet.

Dass die Delegationen nicht in Babelsberg untergebracht waren, sondern in Neubabelsberg kann man noch durchgehen lassen. Aber die Aussage von den „6 bis 8 Villen“ für jede Delegation zeugt nicht nur von Oberflächlichkeit, sondern auch von Ignoranz. Dr. Frank Bauer und Tony Le Tissier hatten bereits 1995 dokumentiert, dass allein die britische Delegation wesentlich mehr Häuser genutzt hatte. Insgesamt umfasste das Sperrgebiet über 300 Häuser bzw. Grundstücke.

2012

2012 präsentierte die SPSG neue Ausstellungstafeln für Schloss Cecilienhof. Das Schloss während der Konferenz und deren Umfeld in Neubabelsberg wurden nun deutlicher angesprochen. Weniger mit Text, vor allem mit Fotografien und anderen Bildelementen. Quellenangaben gab es keine. Fehlanzeige weiterhin: die Sozialgeschichte des Schlosses und des Gartens nach Abreise der Eigentümer 1945.

Die Schlossführerinnen und -führer wurden am 23. März 2012 über die Veränderungen informiert.

… wir möchten Sie informieren, dass ab Dienstag, dem 27.03.2012 eine neue Dauerausstellung im Schloss Cecilienhof zu sehen sein wird. Insbesondere der Einführungsbereich wurde verändert. So beginnt die Führung bereits im Korridor vor der Schiffskajüte. Dort zeigen drei Wandtafeln Fotos und Pläne zur Baugeschichte und der Kronprinzenzeit. Dann folgt die Ausstellung in der Unteren Galerie (wie bisher) zur Vorgeschichte der Potsdamer Konferenz.
Gestaltet ist dieser Bereich wie ein Zeitstrahl. Es gibt keine Vitrinen mehr. Der Rundgang geht von nun an am Ende der Galerie in den Weißen Salon (siehe Plan). Die bisherige Tür neben der Kajüte bleibt ab sofort verschlossen!
In den Ausstellungsräumen sind zukünftig ebenfalls Ausstellungstafeln zu sehen.

160 000 Euro wurden für die Gestaltung der Ausstellung aus dem ehemaligen Vermögen von Parteien und Massenorganisationen der DDR bereitgestellt.

… Geld, mit dem Kurator Matthias Simmich nun begreifbar gemacht hat, was es mit der Potsdamer Konferenz auf sich hatte.
Eigentlich ist es die erste Dauerschau, die als solche bezeichnet werden darf. Bislang gab es ein paar Vitrinen im Eingangskorridor, derweil die jährlich 170 000 Besucher in den historischen Räumen allein gelassen wurden, was vor allem für die ausländischen Gäste beschwerlich war, die immerhin 50 Prozent der Gäste ausmachen. Jetzt sind 18 hinterleuchtete Glasstelen in die Räume gerückt, die mit Fotografien und (deutschen respektive englischen) Texten erzählen, wie hier die „Großen Drei“ zwischen dem 17. Juli und dem 2. August 1945 um die globale Nachkriegsordnung feilschten. Hinzu kommt ein Audioguide, der Schloss und Ausstellung in elf Sprachen vorstellt.
Der Rundgang beginnt mit einem an die Wand gehängten Chronik-Fries, der vom Ende der Monarchie 1918 bis zum Mauerfall 1989 reicht, und mit der Tafel „Warten auf Stalin“. Denn der Generalissimus war seiner Flugangst wegen mit dem Zug aus Moskau angereist, verspätete sich deshalb um einen Tag, meinte damit aber die eigene Bedeutung herauszustreichen. Der amerikanische Präsident Harry S. Truman und Britanniens Premier Winston Churchill nutzten die Verzögerung für Berlin-Besuche: Die Potsdamer Konferenz ist nämlich nur eine Potsdamer geworden, weil die Reichshauptstadt für das ursprünglich als Berliner Konferenz geplante Gipfeltreffen zu kaputt war.
Mit dem Schloss Cecilienhof … taten die alliierten Staaten, was sie dann mit Deutschland taten: Sie teilten es in eine sowjetische, eine amerikanische und eine britische Zone. Neutrales Gebiet war lediglich der zwölf Meter hohe Saal mit dem runden, extra in der Moskauer Möbelfabrik „Lux“ geschreinerten Verhandlungstisch. Eine britische Enklave im amerikanischen Sektor war allerdings Churchills Arbeitszimmer, das bislang als Trumans (und umgekehrt) ausgeschildert war. Simmich recherchierte in London und konnte das nun 65 Jahre nach Konferenzende korrigieren.
Womit sich Stalin, Truman, Churchill und – nach Sir Winstons Abwahl daheim auf der Insel – Clement Attlee in Potsdam beschäftigten, ist an den entsprechenden „Tatorten“ aufbereitet: Churchills Wahlschlappe in Churchills Zimmer, Trumans Entscheidung für den Einsatz der Atombombe gegen Japan in Trumans Zimmer. …
Die Bilder von Stalin, Truman, Churchill beziehungsweise Attlee sind beredt, obwohl es – in der Regel – offizielle sind. Die weiße Uniform des onkelhaft grienenden Sowjet-Imperators leuchtete heller, als ein Churchill opportun fand. Der Mann aus dem Empire machte sichtlich verknurrte Miene zu des Diktators Machtmode. Und nicht bloß zu dieser: Nach außen wurde die Form gewahrt, intern zeichnete sich die kommende Systemkonfrontation bereits ab.12Kallensee, Frank: Am runden Tisch. Im Schloss Cecilienhof gibt es nun eine neue Dauerausstellung zur Potsdamer Konferenz. In: MAZ v. 08. Juni 2012.

2015

Zum 70. Jahrestag gab es Ende August 2015 in der Orangerie des Neuen Gartens eine Tagung zur Potsdamer Konferenz. Redebeiträge kamen von Bundesjustizminister Heiko Maas, Prof. Dr. Manfred Görtemaker (Universität Potsdam), Michael Paul (Stiftung Wissenschaft und Politik), Burkhard Exner (Landeshauptstadt Potsdam) und Markus Paul (Asienspezialist). Wieder einmal ging es nur um das Schlussdokument Potsdamer Konferenz. Nicht ein einziges Wort zum Rahmen, in dem sie stattfand. Auch nicht von Exner.

Diesen weltgeschichtlichen Bedeutungen hatte Bürgermeister Burkhard Exner eine eher bescheidene lokale Perspektive hinzufügen. Exner glaubt aber, dass nicht zuletzt die reiche Erinnerungskultur in der Landeshauptstadt, zu der auch der Tag von Potsdam gehöre, die Potsdamer weitgehend immun gegen rechtes Gedankengut mache. „Wir haben viele Orte, die einen ermuntern sollen, einen Demokratieansatz zu leben.“ 13Braun, Rüdiger: Die Deutschen waren die Gewinner. Historiker und Bundespolitiker unterhalten sich zum 70. Jahrestag über Gründe und Folgen des Potsdamer Abkommens. In: MAZ v.  01. September 2015

2020

Die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Deutschland und Russland beeinflussten das Gedenken zum 75. Jahrestag der Potsdamer Konferenz.

75 Jahre nach der Potsdamer Konferenz hat am Samstag die linke Sammelbewegung „Aufstehen“ nur wenige hundert Meter entfernt vom Originalschauplatz zu einer zweiten Potsdamer Konferenz geladen. Die Gedenk-Tagung  im Treffpunkt Freizeit versammelte eine Reihe von Experten, darunter Kanzlersohn und Geschichtsprofessor Peter Brandt.
Dabei sei das erklärte Ziel der Veranstaltung eine „nüchterne Diskussion im historischen Kontext“, sagt Mitveranstalter Jens-Uwe Schmollack. Besondes am Herzen liegt „Aufstehen“ und dem Initiativkreis Potsdamer Konferenz dabei der Umgang mit Russland, wie ein Blick in das Tagungsprogramm offenbart. Grußworte überbringen der Botschafter der Russischen Föderation, Brandenburgs Ex-Ministerpräsident und heutiger Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums Matthias Platzeck (SPD) und die ehemalige ARD-Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz.
„Eine sachliche Auseinandersetzung mit Russland ist in den letzten Jahren kaum noch möglich“, beklagt Jens-Uwe Schmollack. Der Historiker Peter Brandt sagt: „Es gibt aus heutiger Sicht viele kritische Punkte an der Potsdamer Konferenz, aber man muss als konstruktives Element festhalten, dass es trotz grundlegend unterschiedlicher Interessen möglich ist, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen.
Spannungen gab es auch im Vorfeld der Tagung. Scharfe Kritik übten die Veranstalter an der Stadt Potsdam. Diese habe sich nicht einbringen wollen – Im Gegenteil: Kurzfristig seinen der eigentlich zugesagte Veranstaltungsort, das Potsdam-Museum, und auch finanzielle Unterstützung zurückgezogen worden, weil der Stadt die Veranstaltung „zu russlandlastig“ sei, heißt es. Die Stadtverwaltung verneint dies auf Nachfrage der MAZ: „Es gab nie eine Förderzusage, insofern konnte diese auch nicht zurückgenommen werden“, so eine Stadtsprecherin.   krf14Tagung zu Potsdamer Konferenz. Veranstalter kritisieren Stadt für mangelnde Förderung. In: MAZ v. 31. August 2020.

2025

Im Juli 2025 beschäftigte sich Maritta Tkalec von der „Berliner Zeitung“ mit den Aktivitäten in Potsdam zum Begängnis des 80. Jahrestages der Potsdamer Konferenz.

Genauer nachzulesen und zu analysieren, wie druckvoll Stalin damals verhandelt hat, fände auch der Historiker Jürgen Luh, interessant, der die vor fünf Jahren entstandene Ausstellung im Schloss Cecilienhof miterarbeitet hat. Ihm fällt bei der aktuellen russischen Verhandlungsführung im Ukrainekrieg eine Parallele zu Stalins Taktik vor 80 Jahren auf: „Immer die gleichen Forderungen wiederholen – so hat das damals funktioniert.“ Das zu untersuchen, hält er auf jeden Fall für lohnend.
Die Fragen von Krieg und Frieden, des internationalen Miteinanders und der an vielen Stellen stockenden Diplomatie treiben derzeit viele Menschen um. Doch in Potsdam sind Antworten derzeit höchstens bei einem Online-Rundgang zu suchen. Schloss Cecilienhof ist geschlossen; es wird bis 2028 saniert. Besondere Veranstaltungen zum 80. Jubiläum der Potsdamer Konferenz sind nicht vorgesehen. Es ist tatsächlich so! Keine von den zahlreichen der Geschichte verpflichteten Institutionen in Potsdam macht ein Angebot. … Die drei Leute des Research Centers Sanssouci bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) wären mit solch einem Projekt überfordert, sagt Jürgen Luh. Man habe ja wechselnde Schwerpunkte, derzeit sei man zum Beispiel an der Vorbereitung einer internationalen Konferenz beteiligt, die sich im September mit der 500-jährigen Geschichte der Beziehungen zwischen Brandenburg-Preußen und Polen-Litauen beschäftigt. Anfang September werde es einen Workshop zum Thema „Passage 1945. Kriegsende und Neubeginn“ in der Orangerie im Neuen Garten geben.15Tkalec, Maritta: Lehrstunde stalinscher Verhandlungstaktik Die Potsdamer Konferenz schrieb Weltgeschichte, doch zum 80. Jahrestag gibt es keine Erinnerung vor Ort. Ein Hobbyforscher rettet die Ehre der Stadt. In: Berliner Zeitung v. 29. Juli 2025, S. 9

Die von Luh angekündigte Veranstaltung fand am 2. und 3. September 2025 statt. Träger war das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr mit Sitz in Potsdam (ZMSBw). Mitwirken durften die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, das Research Center Sanssouci (RECS) und das Museum Berlin Karlshorst.

Unter dem Leitmotiv „Passage 1945“ möchten wir uns den Übergängen vom Zweiten Weltkrieg zum Nachkrieg und zum Frieden annehmen. Der hierzu entwickelte Workshop nähert sich diesem Themenfeld in drei Teilen: Der erste Teil skizziert die Wege aus dem Krieg in Europa und Asien und öffnet den Blick auf das Entstehen einer neuen Weltordnung mit ihren eigenen Konfliktlinien, die im globalen Kriegsgeschehen ihre Wurzeln hatten. Die zwei anschließenden Teile sind mit zwei Ereignissen verknüpft, die es möglich machen, Wege und Übergänge in die Nachkriegszeit auszuleuchten: Im Mikrokosmos der Potsdamer Konferenz wird die Neuordnung der Welt sichtbar, im Brennglas der Kriegsverbrecherprozesse ein Umgang mit der Vergangenheit deutlich, der mehr als die juristische Aufarbeitung des Krieges sein wollte. Ein Book-Talk mit dem Autor Volker Heise zu den Ereignissen des Jahres 1945 und ein Abendvortrag von Kim C. Priemel zu den Selbstvergewisserungsprozessen in den Übergängen von Krieg und Frieden flankieren diese Diskussionen.16https://zms.bundeswehr.de/de/aktuelles/veranstaltungen/passage-1945-kriegsende-und-neuordnung-5936616

Auch diesmal spielten weder das Schloss Cecilienhof im Jahr 1945 noch die Vorgänge im Umfeld der Konferenz eine Rolle. Wissensfortschritt für die Öffentlichkeit brachte die Tagung nicht. Dabei hatte das ZMSBw Jahre zuvor ein Dissertationsprojekt mit dem Titel „Die Garnisonstadt Potsdam – im kurzen 20. Jahrhundert“ angeschoben. Bereits bei Aufnahme ihrer Forschungstätigkeit hatte die GeschichtsManufaktur Potsdam Kontakt zu Helene Heldt, die diese Arbeit schreiben sollte. Es ging damals vor allem um Zusammenarbeit im Entstehungsprozess des 2022 veröffentlichten Buches „Potsdam. Sowjetische Garnisonsstadt 1945 – 1994. Geschichte, Fakten, Hintergründe„. Die für beide Seiten produktive Kooperation kam nicht zustande. Möglicherweise auf Betreiben der Verantwortlichen vom ZMSBw.

In Potsdam waren seit den Anfängen der Garnison im 18. Jahrhundert sechs verschiedene Streitkräfte in sechs verschiedenen Staatsformen stationiert. Dies brachte für die Stadt einschneidende Konsequenzen mit sich. Trotz der bewegten Militärgeschichte der Garnisonstadt Potsdam mangelt es bis dato an einer wissenschaftlichen Aufarbeitung ihrer Historie.
Das Forschungsprojekt soll dieses Defizit beheben und durch unterschiedliche Perspektiven untersuchen. Der Schwerpunkt liegt auf dem kurzen 20. Jahrhundert und den Wechselwirkungen von Militär, Stadt und Zivilgesellschaft. Mit dem methodischen Ansatz der Diskursanalyse auf deskriptiver Grundlage soll die Arbeit durch kunsthistorische Methoden, wie der Strukturanalyse, Stilgeschichte, aber auch der Rezeptionsästhetik der übergeordneten Forschungsfrage nach dem „Verhältnis von Militär, Stadt und Gesellschaft“ nachgehen. Daraus resultieren Fragen nach dem Zusammenhang zwischen einer ständigen Militärpräsenz und dem wirtschaftlichen Wohlergehen der Stadt, nach den Auswirkungen des Militärs auf die örtliche Zivilgesellschaft, den Folgen der Stationierung von Soldaten für die Infrastruktur und Stadttopographie sowie nach den Auswirkungen der sowjetischen Präsenz auf Stadtentwicklung und Zivilgesellschaft.17https://zms.bundeswehr.de/de/zmsbw-kanal-forschung-und-bildung/zmsbw-forschung-heldt-potsdam-garnisongeschichte-5335348

Jürgen Luh beklagt gegenüber der Journalistin der „Berliner Zeitung“ den Mangel an finanzieller Unterstützung für das Aufarbeiten der Geschichte der Potsdamer Konferenz. Warum jedoch Geld für die 500-jährige Geschichte der Beziehungen zwischen Brandenburg-Preußen und Polen-Litauen zur Verfügung steht, sagt er nicht. Im Raum lässt er auch stehen, dass sich weder die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) noch ihr Research Center Sanssouci (RECS) dieses Themas angenommen und die ihnen dafür angebotene Hilfe genutzt hatten. Obwohl das der SPSG kein Geld gekostet hätte.

Er bedauert, dass Diplomatie-Geschichte „an deutschen Universitäten vernachlässigt wird“, niemand beschäftige sich mit dem großen Überblick; stattdessen verliere sich die Forschung in kleinteiligen Modethemen. Für kontinuierliche Befassung mit den Vorgängen von Potsdam fehle die Finanzierung: „Das ist eben kein Modethema“, auch wenn es nun wegen des 80. Jahrestages aufploppe. 18Tkalec, Maritta, a. a. O.