Die Presse war von der direkten Berichterstattung über die vom 17. Juli bis 2. August in Potsdam tagende Konferenz ausgeschlossen. Das betraf auch die Presseleute, die als Mitglieder der jeweiligen Länderdelegation angereist waren. Zurück ging dies auf einen besonderen Wunsch Stalins, wurde aber auch von Churchill und Truman akzeptiert. Bei Fotografen und Filmemachern gab es Ausnahmen. Sie durften zu besonderen Terminen in das Konferenzgebäude Schloss Cecilienhof. Hinsichtlich der Anfertigung fotografischer und filmischer Aufnahmen im Areal der Unterbringung der Delegationen in Neubabelsberg konnten die Leitungen der jeweiligen Delegationen frei entschieden. Aber nur jeweils für ihre eigene Zone.

Das Foto entstand vermutlich am 3. August 1945, nachdem die Delegationen abgereist waren. Die Vertreter der Medien erhielten die Gelegenheit, sich den Konferenzort anzusehen und nutzten die Möglichkeit für ein Erinnerungsfoto.

Interpretation und Wirklichkeit

Eine bemerkenswerte Neuerung bei der Zusammensetzung der Delegation des Präsidenten war die Einbeziehung von Zeitungsreportern. Mit dem Ende des Krieges in Europa war das Sicherheitsbedürfnis nicht mehr so ​​groß wie bei früheren Konferenzen. Der Präsident zögerte nicht, Reportern im Juni mitzuteilen, dass er im darauffolgenden Monat ins Ausland reisen wolle; der Tagungsort der Konferenz wurde Ende Juni in London bekannt gegeben. Der Präsident beschloss, mehrere Reporter mitzunehmen, damit das amerikanische Volk umfassend über seine Reise informiert werden konnte. Obwohl er Washington am Abend des 6. Juli ohne vorherige Ankündigung verließ, bestand in der Öffentlichkeit kein Zweifel an seinem Reiseziel. Überall hegte man die Hoffnung, dass es ihm gelingen würde, jenes große Problem zu lösen, das er selbst erst wenige Tage zuvor umrissen hatte:
„Die entscheidende Aufgabe, vor der wir stehen, besteht darin, die Einheit, das gegenseitige Vertrauen und den Respekt, die zum militärischen Sieg geführt haben, zu bewahren, um einen gerechten und dauerhaften Frieden zu sichern.“1Log of the PRESIDENTS TRIP to the BERLIN CONFERENCE (July 6, 1945 to August 7, 1945). Written and compiled by Lieutenant William M. Rigdon, U.S.N, S. II.

Das von Lieutenant George McKee Elsey, Offizier im Map Room des Weißen Hauses, verfasste Vorwort zum Logbuch der Reise des US-Präsidenten zeigt, wie unterschiedlich der Blick auf die gleichen Ereignisse sein konnte. Was auch folgen hat für die Darstellung der Ereignisse durch Historiker, wenn diese nur einzelne Quellen untersuchen und nicht deren Summe. Elsey hatte im Sommer 1945 ein Alter von 27 Jahren. Albert Meeriman Smith, offizieller Berichterstatter aus dem Weißen Haus für die Agentur United Press, kritisierte diese Darstellung.

Was der Beamte über die Neueinführung der Teilnahme von Journalisten geschrieben hatte, zeigte seine völlige Ahnungslosigkeit. Offensichtlich hatte der junge Mann, der die Eintragungen vornahm, keine Ahnung von den Reisen Mr. Roosevelts während des Krieges.
Der Satz, daß „ein genauer Bericht über seine Reise dem amerikanischen Volk gegeben werden könnte“, ist genauso kindisch. Hätte Drew Pearson nicht am Abend nach der Abfahrt Mr. Trumans die Zensurvorschriften durchbrochen, wäre die ganze Reise über den Atlantik geheim geblieben. Pearson aber kümmerte sich nicht um die Zensur und gab im Radio bekannt, daß der Präsident auf hoher See sei und in Antwerpen landen würde.2Meeriman, Smith, Danke sehr, Herr Präsident! Notizbuch aus dem Weißen Haus, Wien 1948, S. 203.

Meeriman Smith bekam während der Reise über den Atlantik Einblick in die Gedankengänge des Präsidenten.

Mr. Truman gefiel auch der Gedanke nicht, daß er mit dem britischen Premierminister und dem russischen Marschall eine geheime Konferenz abhalten solle. Er war der Meinung, daß die Zeit gekommen sei, in der alle Besprechungen offen geführt werden sollten, aber seine Partner teilten diese Ansicht nicht.3Ebenda, S. 206.

Vermutlich hatte er keine Kenntnis, dass bereits während der Schifffahrt festgelegt wurde, dass er und seine Kollegen nicht bei der US-Delegation bleiben und den Konferenzverlauf beobachten durften.

Außer den Berichterstattern der drei Nachrichtenbüros – Bob Nixon für I. N. S, Vaccaro und mir – befanden sich ein Radiosprecher, zwei Wochenschaukameraleute und ein Pressephotograph in der Gesellschaft des Präsidenten, als sich dieser auf dem Kreuzer „Augusta“ einschiffte. 4Ebenda, S. 196.

Auf der USS „Augusta“ befanden sich folgende Vertreter der Medien:
Beatty, Morgan, Vertreter der gemeinsamen Hörfunkverbünde.
Nixon, Robert, Vertreter des International News Service (Nachrichtendienste).
Smith, Merriman, Vertreter von United Press.
Vacarro, Ernest, Vertreter von Associated Press.
Johnson, Carl Hugo, Vertreter der Wochenschau-Unternehmen
Oeth, Albert, Vertreter der Wochenschau-Unternehmen.
Thompson, Francis I., Vertreter der Fotodienste.
Sie gehörten zum Presse-, Rundfunk- und Fotografenpool für die Berichterstattung über die „Berliner Konferenz“. Die Bezeichnung „Potsdamer Konferenz“ setzte sich erst später durch. Offizieller Fotograf der Delegation des Präsidenten war William Belknap, Jr., CPhoM (Chief Photographer’s Mate – Cheffotografengehilfe, U.S.N., Navy Photographer (Navy Fotograf).

Erste Aufnahmen, Fotos bzw. Filmsequenzen, mit dem Präsidenten, dem US-Außenminister und anderen Mitgliedern der Delegation entstanden auf der USS „Augusta“. So wurde im offiziellen Logbuch der Reise des Präsidenten für den 13. Juli 1945 eingetragen:

Nach dem Mittagessen erschienen der Präsident, Minister Byrnes und Admiral Leahy an Deck und posierten gemeinsam für Fotos und Filmaufnahmen. 5Log of the PRESIDENTS TRIP to the BERLIN CONFERENCE , a.a.O., S. 10.

Presse während der Konferenz

Am 17. Juli 1945 wurde im Anschluss der ersten Sitzung der Konferenz, um 23.00 Uhr, das erste und vermutlich auch einzige Zwischenkommuniqué veröffentlicht. Inwieweit der Inhalt mit allen Beteiligten abgestimmt worden war, ist nicht bekannt. Die „New York Times“ veröffentlichte es in ihrer Ausgabe vom 18. Juli.

Dreier-Kommuniqué
Die Berliner Konferenz der Regierungschefs des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion trat heute Nachmittag um 17 Uhr zusammen. Auf Einladung seiner beiden Kollegen führt der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika den Vorsitz bei den Sitzungen der Konferenz. Es fand ein erster Meinungsaustausch über Fragen statt, die eine Entscheidung der Regierungschefs erfordern. Es wurde beschlossen, dass die drei Außenminister regelmäßige Zusammenkünfte abhalten sollen, um die Arbeit der Konferenz vorzubereiten. (S. 63)

In der zweiten Sitzung der alliierten Staatsoberhäupter am 18. Juli 1945 meldete sich Churchill eingangs mit der Frage zu Wort, welche Rolle der Presse in dieser Konferenz zugedacht sei“.

In Teheran hätten die Presseleute nur mit Mühe Zugang gehabt, in Jalta überhaupt keinen. Hier in Potsdam hätten sich jedoch viele Pressevertreter außerhalb der wohlbewachten Festung, in der die Konferenz tage, angesammelt, und sie erhöben in der Weltpresse ein großes Geschrei, weil sie so gut wie keine Informationen erhalten könnten.6Memoiren, Bd. I, S. 345.

Stalin reagierte darauf laut mit der Frage: „Wer hat sie hereingelassen?

Churchill erwiderte, die Presseleute befänden sich außerhalb des Konferenzareals. Falls seine Kollegen zustimmten, sei er bereit, mit ihnen zu reden, nicht um sie über die Arbeit der Konferenz zu orientieren, sondern um ihnen zu erklären, weshalb die Presse ausgeschlossen werden müsse.
Ich sah keine Notwendigkeit dazu und erklärte, daß jede Delegation ihren Presseverbindungsmann habe und dieser den Journalisten die Lage klarmachen solle. Im Stillen Ozean stünden wir noch immer im Krieg, und in Europa seien viele heikle Probleme zu regeln, worüber die Presse nicht im einzelnen orientiert werden dürfe.7Ebenda.Originaltext in: Bd. II, S. 88.

Merriman Smith, der mit der Delegation des Präsidenten nach Berlin gekommen war, sah sich gezwungen, diese besondere Situation der Presseleute zu erklären:

Mein Dolmetsch war ein Hauptmann aus Chikago – Allen Hackner, der vor dem Krieg Zivilingenieur war. Er pflegte seine Gedanken immer laut zu äußern, was mitunter nicht sehr angenehm war. …
„Sie sind also der Berichterstatter der United Preß im Weißen Haus?
„Spielt das eine besondere Rolle?“
„Nein, ich finde es nur sonderbar.“
„Was finden Sie sonderbar?“
„Daß Sie nicht mit dem Präsidenten in Potsdam sind.“
Daran war nur Stalin schuld. Das muß ich dem Mann lassen: wenn er sagt, daß er bei einer Sache keine Journalisten dabei haben will, so sind keine Journalisten dort. Er konnte nicht verhindern, daß wir Präsident Truman in die deutsche Hauptstadt begleiteten, aber er lehnte es ab, uns nach Potsdam zu lassen, wo die Konferenz der Großen Drei abgehalten wurde. (Merriman Smith, S. 201 f.)

Am 25. Juli 1945 musste Churchill nach London reisen, um die Ergebnisse der Parlamentswahlen zu vernehmen.

Um ihm entgegenzukommen, hatten wir für diesen Tag eine Vormittagssitzung anberaumt, und ehe diese neunte Sitzung der Konferenz begann, stellten wir uns den Photographen im Schloßhof zu den ersten offiziellen Aufnahmen der Konferenz.8Ebenda, S. 390.

Im Logbuch von Präsident Trumans Reise wird dies wie folgt beschrieben:

10:35 Uhr: Der Präsident und seine Delegation verließen das „Little White House“ in Richtung Cecilienhof, wo sie um 10:45 Uhr eintrafen. Bevor die Konferenz eröffnet wurde, stellten sich der Präsident, der Premierminister und der Generalissimus im Schlossgarten für Foto- und Filmaufnahmen auf. Es waren Fotografen (sowohl Militärangehörige als auch Zivilisten) aus allen drei Nationen anwesend.
11:00 Uhr: Die „Großen Drei“ und weitere Delegierte betraten den Konferenzraum, und der Präsident eröffnete die neunte Sitzung der Berliner Konferenz. (S. 20)

Am 28. Juli 1945 fand die erste Sitzung der Konferenz statt, an der Churchill nicht mehr teilnahm. Clement Attlee, neuer Premierminister Großbritanniens ersetzte ihn. Das Logbuch vermerkte:

22:15 Uhr: Der Präsident und seine Delegation verließen das „Little White House“ in Richtung Cecilienhof. Die zehnte Sitzung der Konferenz wurde um 22:30 Uhr eröffnet. Vor Beginn der Sitzung stellten sich die neuen „Großen Drei“ für Foto- und Filmaufnahmen. Die heutige Sitzung wurde um 00:05 Uhr – also fünf Minuten nach Mitternacht – beendet. (S. 22)

Am 1. August 1945 stellten sich die Delegationsleiter erneut den Fotografen und Filmemachern. Was das Logbuch wie folgt beschrieb:

14:45 Uhr: Der Präsident verließ das „Little White House“ in Richtung Cecilienhof, wo er um 14:55 Uhr eintraf. Kurz nach seiner Ankunft im Schloss stellten sich der Präsident und die übrigen Mitglieder der „Großen Drei“ gemeinsam mit ihren Außenministern und Admiral Leahy für Film- und Fotoaufnahmen.
15:30 Uhr: Die zwölfte Zusammenkunft der „Großen Drei“ begann. (S. 24)

Pressevertreter der einzelnen Delegationen

USA

Beatty, Morgan, representative of the combined radio networks in the press, radio, and photographers’ pool assigned to cover the Berlin Conference.
Nixon, Robert, representative of the International News Service in the press, radio, and photographers’ pool assigned to cover the Berlin Conference.
Smith, Merriman, representative of the United Press in the press, radio, and photographers’ pool assigned to cover the Berlin Conference.
Vacarro, Ernest, representative of the Associated Press in the press, radio, and photographers’ pool assigned to cover the Berlin Conference.

 

 

Am 17. Juli fand die erste Sitzung der Konferenz statt. Im Logbuch heißt es dazu:

Um 17.00 Uhr trafen sich der Präsident, Premierminister Churchill, Generalissimus Stalin und die Delegierten der drei Alliierten im Konferenzraum (dem ehemaligen Empfangszimmer des Palastes), wo man sich begrüßte und Filmaufnahmen sowie Fotos gemacht wurden. (S. 12)

17.10 Uhr begann die Konferenz dann offiziell.

Am 18. Juli machte Truman einen Besuch in Stalins Residenz. von 15.04 Uhr bis 16.00 Uhr hielten er und seine Begleiter sich dort auf. Das Logbuch hlet dazu fest:

Beim Aussteigen aus seinem Wagen wurde der Präsident von Mr. Molotow empfangen, der ihn und seine Begleitung ins Innere geleitete, wo Mr. Stalin bereits wartete. Obwohl der Großteil unserer Delegation gerade erst den Mittagstisch verlassen hatte, wurden wir an einen großen Esstisch geführt, an dem uns ein Mittagsbuffet serviert wurde. Nach dem Essen und den darauf folgenden Trinksprüchen unterhielt sich der Präsident kurz mit dem Generalissimus. Anschließend stellten sie sich für Foto- und Filmaufnahmen zur Verfügung. Der Präsident und seine Begleitung verließen das Haus des Generalissimus um 16:00 Uhr in Richtung Cecilienhof. Wir trafen um 16:08 Uhr im Schloss ein. (S. 14 f.)

  • 1
    Log of the PRESIDENTS TRIP to the BERLIN CONFERENCE (July 6, 1945 to August 7, 1945). Written and compiled by Lieutenant William M. Rigdon, U.S.N, S. II. ↩︎
  • 2
    Meeriman, Smith, Danke sehr, Herr Präsident! Notizbuch aus dem Weißen Haus, Wien 1948, S. 203. ↩︎
  • 3
    Ebenda, S. 206. ↩︎
  • 4
    Ebenda, S. 196. ↩︎
  • 5
    Log of the PRESIDENTS TRIP to the BERLIN CONFERENCE , a.a.O., S. 10. ↩︎
  • 6
    Memoiren, Bd. I, S. 345. ↩︎
  • 7
    Ebenda.Originaltext in: Bd. II, S. 88. ↩︎
  • 8
    Ebenda, S. 390. ↩︎

© GeschichtsManufaktur Potsdam, 15. September 2026