Er ist wie ein Geist, der Mann, der zwei Präsidenten als Steward bzw. Kammerdiener diente – Arthur Shelton Prettyman. Seine offizielle Bezeichnung war Chief Steward (CSt), U.S.Navy. Im Telefonverzeichnis der US-Delegation ist er nicht zu finden, auch nicht in sonstigen öffentlich bekanntgewordenen Unterkunftslisten für Berlin oder Neubabelsberg. Aber in der protokollierten Übersicht der Delegationsmitglieder der USA ist er enthalten und in einem vom Secret Service anfertigten Grundriss des Kellers der Kaiserstr. 2 (heute. Karl-Marx-Str. 2). Mit fünf philippinischen Servicekräften musste er sich eine Unterkunft teilen, die sich neben der Telefonzentrale des Präsidenten befand.
Prettyman wurde am 20. Juli 1899 in Baltimore als Sohn von afroamerikanischen Eltern geboren. Während des Ersten Weltkrieges trat er in die Marine ein, diente hier 21 Jahre in der US-Marine und erreichte den Rang eines Chief Steward (CSt). Am 4. Februar 1927 erhielt er die USN Good Conduct Medal. Zu diesem Zeitpunkt gehörte er dem US Navy I. Regiment an, das in Great Lakes, Illinois, stationiert war. 1Vgl. https://www.usmilitariaforum.com/forums/index.php?/topic/245990-usn-good-conduct-medal-fdrs-valet/
(1) Rückseite der Medaille von Arthur S. Prettyman aus dem Jahr 1927.
Die Abkürzung „CSC“ oben auf der Medialle steht für Continuous Service Certificate (Bescheinigung über den kontinuierlichen Dienst) , die offizielle Dienstbescheinigung. Darunter steht die Identifikationsnummer für Seeleute jener Zeit, der Name des Ausgezeichneten, die Einheit, in der diente und das Datum der Verleihung. Das umlaufende Motto „Fidelity. Zeal. Obedience“ lautet auf deutsch „Treue. Eifer. Gehorsam„.
Kammerdiener von Roosevelt
Nach seinem Ausscheiden aus der Marine erfolgte 1939 die Reaktivierung, um als Kammerdiener von Präsident Franklin D. Roosevelt (FDR) zu dienen. Er wurde Nachfolger von Irvin McDuffie, der 1939 das Weiße Haus mit der Begründung verließ, einen Nervenzusammenbruch erlitten zu haben. Bis zu dessen Tod blieb er aber mit dem Präsidenten befreundet und unterstützte ihn politisch. McDuffie arbeitete bis zu seinem Tod 1946 im Finanzministerium.2Vgl. https://www.nps.gov/hofr/learn/historyculture/irvin-and-elizabeth-mcduffie.htm
Wie seine Vorgänger war Prettyman für viele Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Schlafzimmeralltag des Präsidenten zuständig. Um effizienter zu sein, versuchte er, die Garderobe des Präsidenten für den Tag auszuwählen, doch FDR zog es vor, selbst zu entscheiden.
FDR war sehr angetan von Prettyman und „machte ständig ein großes Aufhebens um ihn, neckte ihn wegen seines hübschen Gesichts, das seinem Namen alle Ehre machte.“ Prettyman trug einen kleinen, gepflegten Schnurrbart, und der Präsident nannte ihn scherzhaft einen Frauenhelden. Prettyman erwiderte: „Man widerspricht nicht dem Regierungschef, Herr Präsident.“ „Das würden Sie“, antwortete der Präsident.3Lillian Rogers Parks and Frances Spatz Leighton, The Roosevelts: A Family in Turmoil (Englewood Cliffs, N.J., Prentice-Hall Inc.), 57. Zitiert hier:https://www.nps.gov/people/arthur-prettyman.htm
Aufgrund der Polio-Diagnose von Präsident Roosevelt gingen seine Aufgaben weit über die üblichen Dienerpflichten hinaus. Er leistete unverzichtbare körperliche Unterstützung und arbeitete in anstrengenden Schichten, die häufig 20 Stunden am Tag überschritten.4Vgl. https://www.penguinrandomhouse.ca/books/100718/change-of-heart-by-daniel-levy-and-susan-brink/9780375727047/excerpt; https://www.richardjgarfunkel.com/2010/04/12/fdr-65-years-ago-in-warm-springs-4-12-45/Er begleitete Präsident Roosevelt auf Reisen zu den wichtigen Konferenzen des 2. Weltkrieges, wie Casablanca (1943), Teheran (1943) und Jalta (1945).
(2) Arthur Prettyman (hinten links in weißer Uniform) an Bord des Präsidentenflugzeugs auf dem Weg zur Konferenz in Casablanca. Erste Reihe links ist F. D. Roosevelt zu sehen.
Zur Zeit der Konferenz in Jalta (4./11. Februar 1945) waren Roosevelts Krankheit und sein körperlicher Verfall schon sehr weit vorangeschritten. Aus diesem Grund wollte er seinen Diener möglichst nah um sich herum haben, auch in der Nacht. So kam es, dass für Prettyman im Zimmer des Präsidenten ein Klappbett aufgestellt wurde.
(3) Links oben das Büro von F. D. Roosevelt in Jalta mit dem Vermerk „Folding cot for Prettyman“ (Klappbett für Prettyman).
Prettyman war am 12. April 1945 in Warm Springs, Georgia, anwesend, als Präsident Roosevelt seinen tödlichen Schlaganfall erlitt.
Roosevelts Tod bedeutet für den Kammerdiener das „Ende der Welt“
Der Marinesteward stand dem Präsidenten nahe.
WASHINGTON (UP) – Die heile kleine Welt, in der Obermaat Arthur Prettyman in stiller Würde während der letzten sechs Jahre seiner Tätigkeit als Kammerdiener von Präsident Roosevelt lebte, ist zusammengebrochen. Nur wenige Männer standen dem Präsidenten so nahe oder waren ihm so ergeben wie dieser schwarze Steward der Marine. Es war PO Prettyman, der den leblosen Körper seines „Chefs“ aus dem Zimmer, in dem dieser ohnmächtig geworden war, in ein Bett im „Kleinen Weißen Haus“ in Warm Springs, Georgia, trug. Mitarbeiter des Weißen Hauses sagten, der Tod des Präsidenten sei für PO Prettyman gleichbedeutend mit dem Ende der Welt gewesen.
Diente an Bord eines Kreuzfahrtschiffes Seine gute Verbindung zum Präsidenten begann vor einigen Jahren, als er während einer der vielen Auslandsreisen des Präsidenten an Bord des Kreuzers USS Tuscaloosa Dienst tat. Mr. Roosevelt schloss PO Prettyman ins Herz, und als sein alter Kammerdiener in den Ruhestand ging5Irvin McDuffie, holte er PO Prettyman als Dienstboten zu sich. Nach seinem Ausscheiden aus der Marine ging P.O. Prettyman ins Weiße Haus. Sechs Jahre lang hatte er dem Präsidenten beim Ankleiden geholfen, sich um dessen Hund Fala gekümmert und ihn auf all seinen Reisen begleitet. Niemand außer ihm traute Mr. Roosevelt zu, Fala zu baden. P.O. Prettyman strahlte eine stille Würde aus. Im Gespräch nannte er Mr. Roosevelt „Chief“. Wenn er Mr. Roosevelt jedoch direkt ansprach, sagte er stets „Mr. Präsident“.
Nie wurde über den Präsidenten gesprochen. Er hatte kaum Kontakt zu Mitarbeitern des Weißen Hauses, und wie ein Bote sagte: „Wir konnten ihm nie ein Wort über den Präsidenten entlocken.“ Nach Kriegsausbruch wurde PO Prettyman als Obersteward in der Marine in den aktiven Dienst versetzt, blieb aber dem Präsidenten zugeteilt. Der einzige Unterschied bestand darin, dass PO Prettyman eine graue Marineuniform trug. Wenn der Präsident in Washington weilte, fuhr P.O. Prettyman abends gewöhnlich zu seiner Familie nach Marshall, Virginia, in der Nähe der Hauptstadt. Doch wenn der Präsident ihn abends oder zu irgendeiner anderen Zeit brauchte, war er stets zur Stelle.6Der Beitrag von United Press erschien unmittelbar nach dem Tod des Präsidenten am 13. April 1945. Einen Tag nach dem Ableben Franklin D. Roosevelts (12. April 1945) wurde er via Telegrafennetz an Zeitungen weltweit übermittelt, um die tiefe persönliche Trauer seines Dieners Arthur Prettyman öffentlich zu machen.
Nach dem Tod von Franklin D. Roosevelt blieb Arthur Prettyman im Weißen Haus und diente Präsident Harry S. Truman als persönlicher Kammerdiener. Die Archive der Harry S. Truman Presidential Library belegen, wie er den Präsidenten auf Reisen unterstützte, beispielsweise bei der Verwaltung von Trumans berühmter Urlaubsgarderobe in Key West, Florida.7https://www.facebook.com/photo/?fbid=694461069601026&set=as-valet-to-president-franklin-d-roosevelt-arthur-prettyman-worked-upwards-of-tw Bis zu dessen Ausscheiden aus dem Amt im Jahr 1953 diente er Truman als persönlicher Kammerdiener (Valet). Truman schätzte Prettyman außerordentlich und bezeichnete ihn als „großartigen Staatsdiener und Mann von absoluter Loyalität“.8Vgl. ebenda.
Prettyman begleitete Truman auf zahlreichen offiziellen und privaten Reisen. Neben der Garderobe war Prettyman für das persönliche Wohlbefinden des Präsidenten zuständig, koordinierte Tagesabläufe im privaten Bereich des Weißen Hauses und reiste bei Flügen stets an Trumans Seite. Prettyman gehörte zum engen Kreis um den Präsidenten. Berichte und Bilder im Harry S. Truman Presidential Library & Museum zeigen, dass er auch an Freizeitaktivitäten teilnahm.9Vgl. https://www.trumanlibrary.gov/taxonomy/term/9039
Als Prettyman während seiner Dienstzeit schwer an einer Lungenentzündung erkrankte, ließ es sich Präsident Truman nicht nehmen, seinen Kammerdiener persönlich im Naval Hospital in Bethesda zu besuchen – eine für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Geste des Respekts gegenüber einem afroamerikanischen Angestellten.
Arthur Shelton Prettyman starb am 4. Februar 1957 und wurde auf dem Nationalfriedhof Arlington beigesetzt.10https://de.findagrave.com/memorial/49301133/prettyman
Am 6. Februar 1957 veröffentlichte die „New York Times“ einen Nachruf für Prettyman.
Truman würdigt ehemaligen Kammerdiener
KANSAS CITY, Missouri, 5. Februar (AP) – Der ehemalige Präsident Harry S. Truman würdigte heute Arthur Shelton Prettyman, seinen Kammerdiener im Weißen Haus, als „vorbildlichen Diener der Öffentlichkeit“ und „Mann von absoluter Loyalität“. Mr. Prettyman war gestern im Alter von 57 Jahren in Washington gestorben. „Es gab keinen besseren oder fähigeren Mann für diese Aufgabe“, sagte Mr. Truman. Mr. Prettyman hatte auch dem verstorbenen Präsidenten Franklin D. Roosevelt gedient und war 1945 an dessen Seite, als dieser in Warm Springs, Georgia, starb.11https://www.nytimes.com/1957/02/06/archives/truman-praises-former-valet.html
Die Zeitung „The Baltimore Afro American“ würdigte ihn in ihrer Ausgabe vom 9. Februar 1957 mit folgendem Nachruf:
Der beste Grabspruch ist nicht jener, der nach dem Tod in einen Grabstein gemeißelt wird, sondern jener, der durch die tägliche Lebensführung selbst geschrieben wird.
Einen solchen Grabspruch verfasste Arthur Shelton Prettyman, der im Alter von 87 Jahren in Washington starb, nachdem er drei Präsidenten treu als Kammerdiener gedient hatte.
Als ehemaliger Steward der Navy trat Mr. Prettyman früh im Zweiten Weltkrieg in den Dienst von Präsident Roosevelt; er war an dessen Seite, als dieser 1945 starb, und trug ihn ins Bett, nachdem er zusammengebrochen war.
Es heißt, ein großer Mann sei für seinen Kammerdiener niemals ein Held – wohl deshalb, weil niemand sonst einem Menschen so nahe kommt, dass er sowohl dessen Schwächen als auch dessen Stärken wahrnehmen kann.
Doch wenn Arthur Prettyman etwas über seine ehemaligen Arbeitgeber wusste, das ein schlechtes Licht auf ihre Fehler geworfen, ihr Ansehen in der Öffentlichkeit geschmälert oder Kritikern Munition geliefert hätte, so nahm er diese Geheimnisse mit ins Grab.
Die Welt erinnert sich an F.D.R. als einen Vorkämpfer für soziale Reformen und hat stets seine keck im Mundwinkel steckende Zigarette und sein ansteckendes Lächeln vor Augen. Prettyman hingegen sah die ernste Seite dieses Mannes, der durch sein Leiden an den Rollstuhl gefesselt war und die Last der Welt auf seinen Schultern trug.
Indem er seine Schmerzen linderte und Verständnis für seine Stimmungsschwankungen aufbrachte, half Prettyman auch dabei, einen Teil dieser Last zu tragen. „Auch der dient, der nur dasteht und wartet.“
Die schönste Würdigung für Prettyman war die Bemerkung eines Kollegen: „Er hat seine Stellung beim Präsidenten niemals ausgenutzt.“
Wie viel besser stünde Harry Truman heute da. Wie viel besser würde seine Amtszeit im Licht der Geschichte erscheinen. Wie viel weniger angreifbar wäre er für parteipolitische Angriffe gewesen, wären all jene, denen er vertraute, Prettymans hervorragendem Beispiel gefolgt.
Diese schlichten Worte sind sein Grabspruch: „Er hat seine Stellung niemals ausgenutzt.“12https://msa.maryland.gov/megafile/ecpdata/webroot/msaref14/msa_sc5458_000045_000279/pdf/msa_afro_1957_01-0746.pdf
In dem am 19. August 1976 fertiggestellten US-Kriegsfilm „MacArthur“ wurde Arthur Prettyman ein filmisches Denkmal gesetzt. Der Schauspieler Manuel DePina spielte die Rolle.
Ein musikalisches Denkmal setzte dem Kammerdiener von zwei US-Präsidenten der afroamerikanische Säner Willie Eason (1921 – 2005). Er war eine Pionierfigur der afroamerikanischen „Sacred Steel“-Gitarrentradition der House of God- und Keith Dominion Holiness-Pentecostal-Kirchen sowie ein ausdrucksstarker Sänger und ein mitreißender Performer. 2005 nahm er auf dem Album „Blues with a Message“ den Antikriegssong „Warum ich Roosevelt mag“ (Why I like Roosevelt) auf.
„Warum ich Roosevelt mag“ (auch bekannt als „Sag mir, warum du Roosevelt magst“) ist ein Tributlied, das Ende der 1940er Jahre entstand, um US-Präsident Franklin D. Roosevelt und seine New-Deal-Programme, insbesondere die WPA, zu feiern.
Das Lied wurde ursprünglich 1947 von der Gospelgruppe The Soul-Stirrers mit Willie Eason aufgenommen . Es wurde zu einem festen Bestandteil der afroamerikanischen Blues- und Gospelmusik und feierte FDR als „Freund der Armen“, weil er während der Großen Depression Arbeitsplätze und finanzielle Unterstützung geschaffen hatte. Das Lied erlangte große Popularität in der Folk- und Country-Szene, nachdem der Singer-Songwriter Jesse Winchester es 1974 für sein Album„Learn To Love It“ gecovert hatte. Winchester adaptierte den Text, um die kanadischen Premierminister Lester B. Pearson und Pierre Trudeau zu loben.
In Strophe 6 des Liedes heißt es:
Racial prejudice he tried to rule out,
Invited Negro leaders into the White House.
He advocated the fair practice of labor
To let the poor man know he was our emancipator.
Made Madame Bethune a lady of the land.
He made part of his will to Mister Prettyman.
He endorsed inventions of Doctor Washington Carver.
This is why that I said he was our earthly father,
‚Cause he took my feet out of the miry clay.
Haven’t had to look back at the WPA.
That is why I like Roosevelt,
Why I like Roosevelt,
Why I like Roosevelt.
Rassenvorurteile versuchte er zu überwinden,
lud schwarze Führungspersönlichkeiten ins Weiße Haus ein.
Er setzte sich für faire Arbeitsbedingungen ein,
damit der arme Mann wusste: Er war unser Befreier.
Er verlieh Madame Bethune hohe Anerkennung.
Er bedachte Mister Prettyman in seinem Testament.
Er förderte die Erfindungen von Dr. Washington Carver.
Deshalb sagte ich, er sei unser irdischer Vater,
denn er holte meine Füße aus dem tiefen Schlamm.
Ich musste nie mehr auf die WPA zurückblicken.
Deshalb mag ich Roosevelt,
deshalb mag ich Roosevelt,
deshalb mag ich Roosevelt.
Mildred Prettyman übergab am 11. Januar 1983 dem bekannten Historiker und Sammler präsidialer Artefakte, Raleigh DeGeer Amyx Erinnerungsstücke ihres 1957 verstorbenen Mannes an F. D. Roosevelt zur Bewahrung. Es handelte sich um eine blaue Krawatte mit dem Signum „FDR“ und um ein Tablett. Beiden Gegenständen war jeweils ein erklärendes Schreiben beigefügt.
Es ist mir eine Freude, Ihnen eine der Krawatten zu präsentieren, die im Besitz von Präsident Franklin Delano Roosevelt waren und von ihm getragen wurden. Sie wurde meinem Ehemann, Arthur S. Prettyman, irgendwann während des Zweiten Weltkriegs vom Präsidenten überreicht.
Präsident Roosevelt hatte während seiner langen und bedeutenden politischen Laufbahn fünf verschiedene Kammerdiener. Einmal sagte Präsident Roosevelt über seinen Kammerdiener: „Sie sind meine Lebensader, der Hüter meiner Schlüssel.“ Der Präsident meinte damit keine echten Schlüssel, sondern die Schlüssel zu FDRs Geheimnissen. Diese Vertrauensstellung hinderte FDR jedoch nicht daran, seine Kammerdiener zu necken. Er genoss ihre Gesellschaft. Er stand seinen Kammerdienern nahe. Die Tätigkeit als Kammerdiener für Präsident Roosevelt war Knochenarbeit. Da Präsident Roosevelt körperlich nur sehr wenig selbst tun konnte, musste ein Kammerdiener quasi zwei Personen ersetzen. Alles, was mit dem Schlafzimmer zu tun hatte, erforderte den Einsatz des Dieners. Es galt, den schweren Körper des Präsidenten oft zu heben. Zudem war viel Hin- und Herlaufen nötig, um Dinge zu holen und zu bringen.
Mein Mann, Arthur Prettyman, liebte FDR. Der Präsident machte oft viel Aufhebens um ihn. Er scherzte darüber, dass er ein hübsches Gesicht habe – passend zu seinem Namen.
Prettyman trug einen kleinen, gepflegten Schnurrbart, und der Präsident neckte ihn damit, er sei ein „Frauenschwarm“. Mein Mann antwortete dann: „Dem Präsidenten widerspricht man nicht, Herr Präsident.“ Als FDR am 12. April 1945 starb, waren es mein Mann und Dr. Bruenn, die ihn in Warm Springs zu seinem Bett trugen.
Dieser große Verlust ließ Arthur bis zu seinem Tod durch einen Herzinfarkt im Jahr 1957 nicht mehr los. Er hatte Präsident Roosevelt seit 1939 als Kammerdiener gedient. Auch Präsident Harry S. Truman behielt ihn als Kammerdiener, bis beide 1953 in den Ruhestand gingen.
Offensichtlich genoss mein Mann das Vertrauen bedeutender Männer.
Die Krawatte gehörte dem Präsidenten und wurde von ihm getragen. Sie ist dunkelblau.
Das Material ist als Crêpe de Chine bekannt. Sie ist mit fliederfarbener Seide gefüttert und scheint handgefertigt zu sein. Auf der Innenseite im Kragenbereich befindet sich ein kleines, persönliches Namensschild mit der Aufschrift „F.D.R.“ in roten Buchstaben auf weißem Grund. Dies ist ein persönlicher Gegenstand von Präsident Roosevelt, und er sollte bewahrt werden. Ich vertraue es Ihnen zu diesem Zweck an.13https://www.rrauction.com/auctions/lot-detail/33201390437129-franklin-d-roosevelts-blue-tie/
Nach dem Tod von Amyx kamen diese Teile seiner Sammlung zur Versteigerung, u.a. über ein Online-Auktionshaus. Bis zum 27. Juni 2026 hatte sich für die Krawatte noch kein Käufer gefunden.
Die blaue Krawatte von FDR: Arthur Prettyman diente Präsident Franklin Roosevelt von 1939 bis zu dessen Tod 1945 in Warm Springs, Georgia. Prettyman war bei dem Präsidenten, als dieser starb, und half, seinen Leichnam nach seinem Tod ins Bett zu tragen. Diese dunkelblaue Krawatte ist mit lilafarbener Seide gefüttert und hat eine besondere Webart, die als Crepi-Poi-de bekannt ist. Auf der Rückseite ist ein kleines Etikett mit der Aufschrift „FDR“ in roten Buchstaben auf weißem Grund eingenäht. Prettymans Witwe hat ein historisches, einseitiges Schreiben auf Briefpapier des Weißen Hauses verfasst, das die Krawatte dokumentiert und einige persönliche Anekdoten aus der Zeit ihres Mannes im Weißen Haus erzählt.14https://historical.ha.com/itm/political/3d-and-other-display-1896-present-/fdr-s-blue-tie-arthur-prettyman-served-president-franklin-roosevelt-from-1939-until-his-death-at-warm-springs-georgia-in-19/a/625-25473.s#625-6053
(4) Roosevelts blaue Krawatte.
Das dem Tablett beigefügte Schreiben war fast identisch mit dem oben zitierten.
Es ist mir eine Freude, Ihnen ein Holztablett zu überreichen, das Präsident Franklin Delano Roosevelt gehörte. Es wurde meinem Ehemann, Arthur S. Prettyman, irgendwann während des Zweiten Weltkriegs vom Präsidenten geschenkt. …
Das Tablett war im Besitz von Präsident Roosevelt; mein Mann konnte sich nicht mehr erinnern, wer es ihm geschenkt hatte. Doch Arthur servierte dem Präsidenten bei mehr als einer Gelegenheit einen Martini auf diesem Tablett. Es stimmt allerdings auch, dass der Präsident seine Getränke für gewöhnlich selbst mischte. Das Tablett hat einen Durchmesser von 15 Zoll. Auf der Vorderseite ist ein Abbild von Präsident Roosevelt zu sehen; für die Darstellung von Gesicht und Kleidung seiner Büste wurden offenbar verschiedene Holzarten verwendet. Auf der Rückseite des Tabletts befindet sich ein Etikett mit der Aufschrift „Valspar and Valentine Process“ usw. Dieses Tablett gehörte dem Präsidenten. Es sollte angemessen bewahrt werden.15https://historical.ha.com/itm/political/presidential-relics/franklin-d-roosevelt-wooden-martini-tray-gift-to-valet-arthur-prettyman-circa-1939-1945/a/6114-38175.s
Am 26. Januar 1983 fügte Mildred Prettyman den an Amyx aus dem Nachlass ihres Mannes übergebenen Gegenständen noch den Zylinder hinzu, den Roosevelt bei seinen Amtseinführungen 1933, 1937 und 1941 trug.16https://www.rrauction.com/auctions/lot-detail/3320068043777-franklin-d-roosevelts-1933-inaugural-top-hat/ Insgesamt gelangten auf diesem Weg 18 Erinnerungsstücke, 17 zu Roosevelt und eines zu Truman, in die Sammlung von Amyx und von dort in die Raleigh DeGeer Amyx Auktion des 1976 gegründeten Unternehmens RR Auction in Boston.
Kammerdiener bei Truman
Nach dem Tod von Franklin Delano Roosevelt am 12. April 1945 wurde Arthur S. Prettyman in den Dienst des damaligen US-Vizepräsidenten und späteren 33. US-Präsidenten Harry S. Truman übernommen. Bis zum Ende dessen zweiter Amtszeit am 20. Januar 1953 diente er ihm als Kammerdiener.
Die erste große Herausforderung für Prettyman war die Begleitung Trumans nach Deutschland zur Potsdamer Konferenz. Erfahrungen diesbezüglich hatte er schon unter Roosevelt sammeln können. Musste er sich damals jedoch zusätzlich zu seinen obligatorischen Aufgaben um einen schwerkranken Mann kümmern, stand jetzt im Zentrum das Outfit Trumans und das Kümmern um andere persönliche Dinge.
Im 1945 geschriebenen Tagebuch Trumans und in den darauf basierenden publizierten Memoiren Trumans taucht der Kammerdiener nicht auf. Was auch für die Erinnerung der ihn begleitenden Personen zutrifft. Als der Diener am 4. Februar 1957 nach einem Herzinfarkt starb, bezeichnete ihn sein früherer Arbeitgeber in einem Nachruf als „vorbildlichen Diener der Öffentlichkeit“ und „Mann von absoluter Loyalität“.
Auch in den Memoiren von Irineo Esperancilla, Chef Steward wie Prettyman, ist der Kammerdiener nicht zu finden. Dabei gehörten sie mindestens seit der Reise nach Kairo und Teheran im November/Dezember 1943 zum engen Serviceteam von Roosevelt. Auch unter Truman mussten sie immer mal zusammenarbeiten. So dienten sie zusammen auf der USS „Augusta“, mit der Truman und sein Team von den USA nach Europa zur Potsdamer Konferenz reisten. Während Esperancilla nach der Landung in Antwerpen blieb, reiste Prettyman mit dem Präsidenten weiter nach Potsdam. Wohin ihn 11 philippinische Servicekräfte begleiteten. Nach der Rückkehr von der Konferenz trafen Prettyman und Esperancilla in Plymouth wieder auf der „Augusta“ zusammen. Gemeinsam nahmen sie im August/September 1947) an der Reise Trumans nach Rio de Janeiro teil.
Zu den täglichen Aufgaben Prettymans gehörte, sich um Roosevelts Hund, Fala, zu kümmern. Die Erinnerungen Esperancillas suggerieren jedoch, dass er es gewesen sei, dem der Hund anvertraut wurde.
Ich kann mich noch gut an einen typischen Tag im Weißen Haus mit Präsident Roosevelt erinnern. Um sechs Uhr morgens schlich ich auf Zehenspitzen in das Schlafzimmer des Präsidenten und gab Fala, seinem kleinen Hund, ein Zeichen, herauszukommen. Fala verbrachte den Großteil der Nacht in der Nähe seines schlafenden Herrchens. Der Hund des Präsidenten folgte mir gehorsam, und wir machten einen halbstündigen Spaziergang auf dem Gelände des Weißen Hauses oder im Lafayette Park. Wenn Fala ein Eichhörnchen entdeckte, musste ich ihm manchmal hinterherlaufen – und das war gar nicht so einfach. Oft halfen mir dabei die Männer vom Secret Service. Ich schimpfte mit Fala, wenn wir ihn schließlich eingefangen hatten, und er schien das zu verstehen. Gegen halb sieben schlüpfte Fala wieder in das Schlafzimmer des Präsidenten zurück. Der kleine schwarze Scottish Terrier verbrachte gewöhnlich den ganzen Tag beim Präsidenten.17Dart, Melinda. A, Glimpse of Greatness: The Memoir of Irineo Esperancilla, Kindle Version 2022, S. 28.
Um die Welt ging jedoch ein Foto, auf dem Arthur Prettyman mit Fala zu sehen ist, wie sie auf dem Bahnsteig am Zug entlanggehen, mit dem die sterblichen Überreste von Roosevelt von Warm Springs nach Washington gebracht wurden.
Ebenfalls hervorgehoben wurde der Einfluss des Kammerdieners auf die Bekleidungsauswahl des Präsidenten.
Harry S. Trumans Verhältnis zur Mode war, wie die Medienberichterstattung während seiner gesamten Karriere zeigte, oft ambivalent, und seine Kleidungswahl sorgte mitunter für Schlagzeilen in Magazinen. Seine Kleiderwahl wurde gleichermaßen bewundert wie kritisiert. Obwohl er nicht immer den Trends folgte, war er für sein gepflegtes Äußeres bekannt und legte Wert auf seine Kleidung. Truman nutzte Mode, um mit anderen in Kontakt zu treten und sich auszudrücken. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte er sogar ein Herrenausstattergeschäft in Kansas City eröffnet. Seine Anzüge in späteren Jahren ließ er sich nach Maß und Geschmack anfertigen, oft von Freunden, und er wählte die Accessoires sorgfältig aus, um seinen Look zu vervollständigen.18Vgl. https://www.whitehousehistory.org/digital-archives/exhibits/suited-to-lead-the-lives-of-six-presidents-through-fashion/harry-truman
Das Life-Magazin schrieb am 10. Dezember 1951
„Anzüge haben sich von bedauernswert zu elegant gewandelt. Die Entwicklung des Truman-Anzugs … war langsam und mühsam … Früher trug er oft einreihige Anzüge, doch nun … bevorzugt er zweireihige. Das entspricht nicht gerade der neuesten Mode … Was die Farben angeht, bevorzugte Truman schon immer Dunkelblau oder Hellgrau, und er mag scharfe Bügelfalten in seinen Hosen. Das ist seit Langem eine Angewohnheit von ihm – er ist ungewöhnlich ordentlich gekleidet. Doch heutzutage stehen ihm die Dienste von Arthur Prettyman zur Verfügung, einem Kammerdiener, den er von Präsident Roosevelt übernommen hat, und die Bügelfalten sind schärfer denn je.“19Life Magazin, 10.12.1951. S. 68.
Titel des Life Magazins vom 10. Dezember 1945. Mit dem Hinweis auf die Titelgeschichte über die Mode von Truman.
An verschiedenen Beispielen zeigte das Magazin auf, wie sich die Dienstbekleidung Trumans seit seinem Amtsantritt verändert hatte.
Alltäglicher Rassismus
Bei aller Wertschätzung, die Roosevelt und sein Nachfolger ihren Kammerdienern entgegenbrachten, darf nicht der alltägliche Rassismus in den USA übersehen werden, der auch ihre zwischenmenschliche Beziehung beeinflusste. Afroamerikaner in einer Vertrauensstellung an der Seite des US-Präsidenten und im Weißen Haus. Für viele Amerikaner, auch wenn sie keine offenen Rassisten waren, einfasch nicht vorstellbar und schon gar nicht akzeptabel.
Franklin D. Roosevelt beschäftigte zwischen 1922 und 1945 mindestens sechs Kammerdiener, allesamt Afroamerikaner. Sie gerieten jedoch weitgehend in Vergessenheit oder wurden nur gelegentlich beiläufig erwähnt. Die meisten hinterließen kaum Aufzeichnungen über ihr Leben und ihre Karriere, möglicherweise aus Respekt vor Roosevelts Privatsphäre so kurz nach seinem Tod oder aufgrund der Vertraulichkeit ihrer Position als vertraute Angestellte. Die Kammerdiener waren für Roosevelts Leben unerlässlich und prägten ihn maßgeblich.20https://www.nps.gov/articles/000/the-untold-story-of-fdr-s-valets.htm
Leroy Jones war von 1922 bis 1927 Kammerdiener von Franklin D. Roosevelt, und musste mit teilweise offenem Rassismus klarkommen.
FDR sah sich regelmäßig mit der heiklen Frage der Unterbringung konfrontiert, wenn er mit einem schwarzen Angestellten reiste. Bei der Planung eines dreiwöchigen Segeltörns von New York nach Buzzards Bay bemerkte FDRs Freund Livy Davis: „Ich denke, Roy [Leroy Jones] würde ein sehr schwieriges Problem darstellen, da er im Vorschiff kaum schlafen kann, und der einzige Platz, der mir einfällt, um ihn unterzubringen, ist auf einer Matratze auf einem Stapel Seil in der Backskiste.“ Die Anmietung einer Yacht für eine längere Reise um die Florida Keys stellte eine ähnliche Herausforderung dar. FDR fragte den New Yorker Yachtmakler J. Fred Tarn, ob sich ein Platz für seinen Kammerdiener an Bord der „Weona II“ finden ließe . Tarn meinte, Roy könnte sich einfügen, wenn er Anweisungen der Besatzung befolgen könne und „nicht von den heutigen sogenannten ‚Rechten‘ besessen“ sei.21Ebenda.
Die Unterbringung von Arthur Prettyman und der philippinischen Servicekräfte im Keller der Kaiserstr. 2 ordnet sich in diese Denkweise ein. Die vormalige Speisekammer, der Weinkeller und der Kellerraum waren ihre Unterkunft für die Zeit der Potsdamer Konferenz. 12 Personen mussten sich in den nicht gerade großen Räumen einrichten. Das weibliche Personal der ebenfalls im Keller untergebrachten Telefonzentrale wohnte in einem repräsentativen Haus gegenüber der Residenz des US-Präsidenten.
Bildquellen
(0) Das Porträtfoto wurde mit Hilfe von KI hinsichtlich der Bildschärfe verbessert.
https://www.nps.gov/people/arthur-prettyman.htm
(1) https://www.usmilitariaforum.com/forums/index.php?/topic/245990-usn-good-conduct-medal-fdrs-valet/ (Bild mit Hilfe von KI bearbeitet).
(2) https://captainmccreaswar.com/2017/01/08/the-trip-to-casablanca/
(3) Akten des Secret Service der Vereinigten Staaten, 6-1, Container 21, Reisen des Präsidenten, Jalta, 1945. Franklin D. Roosevelt Presidential Library. Veröffentlicht in: https://www.nps.gov/articles/000/the-untold-story-of-fdr-s-valets.htm.
(4) https://historical.ha.com/itm/political/3d-and-other-display-1896-present-/fdr-s-blue-tie-arthur-prettyman-served-president-franklin-roosevelt-from-1939-until-his-death-at-warm-springs-georgia-in-19/a/625-25473.s#625-6053
Lillian Rogers Parks and Frances Spatz Leighton, The Roosevelts: A Family in Turmoil (Englewood Cliffs, N.J., Prentice-Hall Inc.), 57. Zitiert hier:https://www.nps.gov/people/arthur-prettyman.htm
Der Beitrag von United Press erschien unmittelbar nach dem Tod des Präsidenten am 13. April 1945. Einen Tag nach dem Ableben Franklin D. Roosevelts (12. April 1945) wurde er via Telegrafennetz an Zeitungen weltweit übermittelt, um die tiefe persönliche Trauer seines Dieners Arthur Prettyman öffentlich zu machen.