Alle an der Potsdamer Konferenz teilnehmenden Länder waren mit ihren offiziellen und inoffiziellen Delegationsmitgliedern vertreten. In aktuellen, nicht immer auf Sachkenntnis basierenden, Pressebeiträgen und sonstigen Veröffentlichungen wird unterstellt, dass das Sicherheitsbedürfnis von Stalin im Vergleich zu Churchill und Truman besonders ausgeprägt gewesen sei. Das habe sich in der Anzahl von sowjetischen Geheimdienstleuten gezeigt.

Doch auch die USA und Großbritannien hatten ein sehr großes Interesse an der Sicherheit für ihre Regierungsoberhäupter, die Delegationsmitglieder insgesamt und die auf der Konferenz bzw. in ihrem Umfeld besprochenen und verhandelten Inhalte.

In diesem Beitrag wird der Versuch unternommen, die Geheimdienstaktivitäten der USA vor, während und unmittelbar nach der Potsdamer Konferenz darzustellen. Die Ausführungen basieren auf offiziellen Dokumenten sowie auf den Forschungen von Vincent Michael Palamara, Historiker und Autor von Publikationen zur Geschichte der US-Geheimdienste.

Vince Palamara is the leading civilian Secret Service authority and the author of 7 books: SURVIVOR’S GUILT: THE SECRET SERVICE AND THE FAILURE TO PROTECT PRESIDENT KENNEDY (2013), JFK: FROM PARKLAND TO BETHESDA- THE ULTIMATE KENNEDY ASSASSINATION COMPENDIUM (2015), THE NOT SO SECRET SERVICE- AGENCY TALES FROM FDR TO THE KENNEDY ASSASSINATION TO THE REAGAN ERA (2017), WHO’S WHO IN THE SECRET SERVICE: HISTORY’S MOST RENOWNED AGENTS (2018), HONEST ANSWERS ABOUT THE MURDER OF PRESIDENT JOHN F. KENNEDY: A NEW LOOK AT THE JFK ASSASSINATION (2021), THE PLOT TO KILL PRESIDENT KENNEDY IN CHICAGO & THE OTHER TRACES OF CONSPIRACY LEADING TO THE ASSASSINATION OF JFK – A VISUAL INVESTIGATION (2024), and PRESIDENT KENNEDY SHOULD HAVE SURVIVED DALLAS: THE SECRET SERVICE & THE JFK ASSASSINATION (2025).1https://www.amazon.com/-/de/stores/author/B00GFZHJD0/about

Secret Service – Einführung

Der United States Secret Service ( USSS oder Secret Service ) ist eine Bundesbehörde des US-Heimatschutzministeriums . Er ist mit der Durchführung von strafrechtlichen Ermittlungen und dem Schutz amerikanischer Politiker, ihrer Familien sowie ausländischer Staats- und Regierungschefs beauftragt. Bis 2003 war er Teil des US-Finanzministeriums , da sein ursprünglicher Auftrag die Bekämpfung der Fälschung von US-Währung war. Seit 1901 schützt der Secret Service US-Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten. Diese Aufgabe findet ihren Niederschlag in der Bezeichnung „White House Police“. [ 5 ] 

Über die Einbindung des Geheimdienstes in die Vorbereitungen für die Potsdamer Konferenz hielt der US-Präsident Harry S. Truman in seinen Memoiren fest.

An den Vorbereitungen für die Potsdamer Konferenz waren Kabinettsmitglieder, Botschafter, die Stabschefs, mein Sekretariat, das Staatsdepartment, die Armee, Flotte und Luftwaffe, das Schatzamt und der Geheimdienst beteiligt. Viele Persönlichkeiten dieser Dienststellen und Ämter waren gleichzeitig auch Mitglieder unserer Delegation. …
Da der Präsident der Vereinigten Staaten stets im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht, müssen ihn, wenn er auf Reisen geht, immer Beamte des Geheimdienstes vorausfahren, die die vorgesehene Route, die von ihm zu benutzenden Fahrzeuge und die von ihm zu betretenden Häuser inspizieren.2Truman, Harry S., Memoiren, Band I, Das Jahr der Entscheidungen (1945), Stuttgart 1955, S. 322 f.

Wie viele Secret Service in die Vorbereitungen für die Konferenz sowie in die direkte Teilnahme an ihr eingebunden waren, ist bis heute unbekannt.

George Carl Drescher war damals SAIC, d.h. Special Agent in Charge (Sonderagent im Einsatz). Es handelte sich um eine hochrangige Führungsposition. Ein SAIC leitete ein bestimmtes Außendienstbüro (z. B. Washington DC, Los Angeles), eine spezialisierte Abteilung (wie das Counter Assault Team) oder ein bestimmtes Personenschutzteam. Der Nachlass von Drescher, der 1971 verstarb, befindet sich in der Herbert Hoover Presidential Library and Museum. Darunter sind auch Dokumente, die sich auf seine Tätigkeit während der Potsdamer Konferenz beziehen.3https://hoover.archives.gov/research/manuscript-collections/drescher Eine Online-Einsichtnahme in die Dokumente war nicht möglich. Das gilt auch für das Interview, das die Hoover Bibliothek mit ihm geführt hatte. 4https://hoover.archives.gov/research/oral-history-collections

Dreschers Stellvertreter in Potsdam James Joseph Rowley 5https://en.wikipedia.org/wiki/James_Joseph_Rowley ,wurde am 20. September 1988 durch Niel M. Johnson, von 1977 bis 1992 Archivar und Historiker der Harry S. Truman Library and Museum, ausführlich interviewt. Wie viele Secret Service-Agenten insgesamt an der Konferenz teilnahmen, konnte aber auch er nicht beantworten.6https://www.trumanlibrary.gov/library/oral-histories/rowleyj

JOHNSON: Wie viele Secret-Service-Mitarbeiter waren Ihrer Meinung nach in Potsdam vor Ort und arbeiteten mit Ihnen zusammen?

ROWLEY: Oh, ich weiß es nicht. Da müssten Sie in den Aufzeichnungen nachschauen. Drei von uns waren im Vorfeld dabei, und dann war [Floyd] Boring auch noch da …

Bevor der US-Präsident in Neubabelsberg zur Konferenz eintraf, hatte Rowley sowohl den Konferenzort, Schloss Cecilienhof, als auch die für die Delegation vorgesehenen Unterkünfte inspiziert.

Mir wurden mehrere Häuser zugewiesen, und es war meine Aufgabe, diese zu besichtigen. Einige Mitarbeiter von General Marshall waren anwesend – Militärangehörige. Interessanterweise konnte ich bei meiner Ankunft niemanden finden, der sich mit den Treffen auskannte. Ich landete in Paris und rief Bob [Robert] Murphy an, den Botschafter, aber er war auf dem Weg nach Berlin und daher nicht erreichbar. Schließlich erfuhr ich, dass ein Admiral, mit dem ich in Hawaii zusammengearbeitet hatte, als Roosevelt die anderen Admiräle und General MacArthur traf, ebenfalls dort war, also suchte ich ihn auf. … Admiral [Vizeadmiral Robert Lee] Gormley, und er hatte immer noch denselben Adjutanten, mit dem ich zusammengearbeitet hatte. Also rief ich ihn an und sagte: „Ich komme hier einfach nicht weiter …“ Er sagte: „Ich kümmere mich darum.“ Daraufhin berief er die Luftwaffe, die Armee und alle anderen zu einer Besprechung in seinen Stabsraum ein. Viele hatten Ideen zu diesem und jenem. Er hörte zu und sagte: „Meine Herren, ich denke, wir sollten diesem jungen Mann besser zuhören.“ Dann ging es weiter, und von da an hatte ich keine Probleme mehr. Aber der Grund, warum ich das alles erwähne, ist, dass mein damaliger Kollege Oberst Jim Blair war, der später Gouverneur von Missouri wurde. (S. 26)

Wie Rowley berichtete, war Oberstleutnant James T. Blair Jr.7https://en.wikipedia.org/wiki/James_T._Blair_Jr. in Neubabelsberg für die Unterbringung der Delegation und damit verbundene Themen zuständig.

Ich habe also mit ihm zusammengearbeitet und ihm gesagt, was wir brauchten.

Auf das Sicherheitsbedürfnis der Russen angesprochen, berichtete er von einem Vorgang, der die Insel Wannsee, insbesondere das östliche Ufer des Griebnitzsees betraf.

Der Präsident und seine Mitarbeiter befanden sich an einem See. Auf dem See lag eine kleine Insel, die die Russen unter ihre Kontrolle bringen wollten. Ich sagte: „Nein, wir setzen amerikanische Truppen dort ein. Wir kümmern uns darum, denn das ist unsere Verantwortung.“ Sie drängten nicht weiter, also taten wir das. Diese Einheit bestand aus vielen fähigen, jungen amerikanischen Soldaten.

Wie seine Zusammenarbeit mit den russischen Dienststellen ablief, schilderte Rowley wie folgt:

JOHNSON: Aber Sie mussten sich mit den sowjetischen Sicherheitskräften abstimmen?

ROWLEY: Oh, ich hatte ständig Treffen mit den Sowjets.

JOHNSON: Mussten Sie mit einem Übersetzer arbeiten?

ROWLEY: Ja, mithilfe eines Dolmetschers. Einige von ihnen konnten Englisch; viele konnten es, taten aber so, als könnten sie es nicht. Oberst Jim Smith war der Militärpolizeichef; ich habe mit ihm zusammengearbeitet.

JOHNSON: Lief alles reibungslos, oder gab es irgendwelche Schwierigkeiten oder Probleme?

ROWLEY: Nun, Sie erinnern sich ja, Churchill war besiegt, und man musste warten, bis [Clement] Attlee informiert worden war und zum Treffen erschien. Stalin täuschte Krankheit vor, und Truman sagte: „Wenn wir morgen kein Treffen haben, gehe ich nach Hause.“ Und Stalin wurde ganz schnell wieder gesund.

JOHNSON: Gab es also keine Probleme mit den Russen, als Sie mit ihnen zusammengearbeitet haben?

ROWLEY: Nein.

JOHNSON: Gut.

ROWLEY: Das einzige Problem, war, dass Oberst Smith und ich uns mit den Russen trafen … Gegen zwei oder drei Uhr morgens riefen Oberst Kerensky und ein General Gorlinsky an (…). Sie sagten: „Wir können uns nicht einigen; wir brauchen die Zustimmung der Vorgesetzten.“ Ich war das gewohnt. Wir fuhren also hin und arbeiteten bis etwa zehn Uhr morgens, besprachen die Details und kehrten zu den Plänen zurück, die wir am Vortag vereinbart hatten. Sie versuchten, uns zu zermürben und gefügig zu machen.

Es handelte sich hier um Nikolai Dmitrievich Gorlinskij8https://generals.dk/general/Gorlinskii/Nikolai_Dmitrievich/Soviet_Union.html, Generalleutnant des NKWD und zuständig für die Sicherheit der Konferenz. Diese Aufgabe übte er auch während der Konferenz in Teheran aus. Die zweite Person war der NKWD-Oberst Michail Makarowitsch Koretsky9https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D0%BE%D1%80%D0%B5%D1%86%D0%BA%D0%B8%D0%B9,_%D0%9C%D0%B8%D1%85%D0%B0%D0%B8%D0%BB_%D0%9C%D0%B0%D0%BA%D0%B0%D1%80%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D1%87.

1946 musste George C. Drescher seinen Dienst als Personenschützer für Truman quittieren und Rowley, bis dahin sein Assistent bzw. Stellvertreter, rückte als SAIC nach.

Die New York Times berichtete am 5. April 1946 über den Vorgang:

WASHINGTON, 4. April – George Drescher wurde von seiner Position als leitender Agent der Secret-Service-Einheit abgelöst, die für den Schutz von Präsident Truman zuständig ist; dies teilte Minister Vinson heute mit.
In der offiziellen Verlautbarung hieß es zwar, er sei „versetzt“ worden; doch die Tatsache, dass Herr Drescher bekanntermaßen die persönliche Gunst des Präsidenten genoss und erst vor einem Jahr mit der Leitung von dessen Personenschutz betraut worden war, ließ den Schluss zu, dass er tatsächlich seines Amtes enthoben worden war.
Wie üblich, wenn sich derartige Vorfälle beim Secret Service ereignen, beschränkten sich höhere Beamte zu diesem Thema auf den knappen Kommentar: „Kein Kommentar.“ Herr Drescher – der seine Position im Weißen Haus angetreten hatte, da er Herrn Truman bereits während dessen Vizepräsidentschaft als dessen persönlicher Personenschützer gut kennengelernt hatte – wurde vom Weißen Haus abberufen und mit Wirkung zum 1. Mai als leitender Agent des Secret Service nach Baltimore versetzt.
Der stellvertretende leitende Agent, James J. Rowley – ein erfahrener Personenschützer von Präsidenten –, übernahm nach dem Ausscheiden Dreschers kommissarisch dessen Leitungsposition. Herr Rowley, der als designierter Nachfolger Dreschers galt, war im Jahr 1938 von New York aus zum Secret Service gekommen.

Einen Tag nach dem Interview mit Rowley, am 21. September 1988, unterhielt sich Niel M. Johnson mit Floyd M. Boring, der ebenfalls für den Secret Service in Potsdam arbeitete.10https://www.trumanlibrary.gov/library/oral-histories/boring#12

Boring fuhr die Präsidentenlimousine und gehörte mit James Rowley dem Vorauskommando für die Potsdamer Konferenz an.

JOHNSON: Gab es bei den Vorarbeiten in Potsdam irgendwelche Probleme?

BORING: Nein.

JOHNSON: Sie mussten also in gewissem Maße mit den Russen zusammenarbeiten, nicht wahr?

BORING: Ja, schon, aber man kam recht gut mit ihnen aus. Wissen Sie, sie machen Polizeiarbeit, etwas Ähnliches wie wir. Ich meine, Polizisten sind weltweit ziemlich ähnlich.

JOHNSON: Gibt es Reisen, die Ihnen im Hinblick auf den gebotenen Schutz besonders in Erinnerung geblieben sind?

BORING: Nun ja, die Reise nach Potsdam war natürlich an sich schon einzigartig. Ich glaube, wir sind in Brüssel gelandet, und dort gab es ein Auto mit Linkslenkung. Ich bin dieses Ding gefahren, und das war ungewöhnlich für mich.

JOHNSON: Auf der linken Straßenseite.11Diese Aussagen sind unverständlich. In den USA galt und gilt Rechtsverkehr, wie auch damals in Belgien, so dass sich das Lenkrad auf der linken Seite des Fahrzeugs befindet.

BORING: Genau. Wir fuhren über Brücken, so Pontonbrücken, und ich nehme an, du kennst die Geschichte vielleicht. Ich weiß nicht, ob du sie kennst oder nicht.
Wir warteten draußen. Der Präsident in der Nähe seines Wagens. Ein Oberst begleitete den Präsidenten regelmäßig, einfach als Gesellschaft, und [George C.] Drescher – das war eine seiner letzten Reisen dorthin – stieg in den Wagen. Dieser Oberst sagte zu Präsident Truman: „Hören Sie, ich weiß, Sie sind hier allein; Ihre Frau ist noch nicht da.“ Und er fügte hinzu: „Wenn Sie etwas brauchen, kümmere ich mich gern darum.“

BORING: Er [der Präsident] sagte: „Halt! Sag nichts mehr. Ich liebe meine Frau, und meine Frau ist mein Schatz. Ich will so etwas nicht mehr. Du sollst das nie wieder zu mir sagen.“ So ungefähr hat er es beendet.

JOHNSON: Das war in Potsdam?

BORING: Genau. Dann hatte ich noch so einen Zwischenfall mit ihm, und der wird dich bestimmt zum Lachen bringen. Das sind echt lustige Anekdoten. Eines Tages kam er raus, und hatte vergessen, seinen Hosenstall zuzuknöpfen. Ich überlegte mir die wildesten Wege, ihm klarzumachen, dass sein Hosenstall offen war. Ich sah mich um und sagte: „Herr Präsident, Ihr Pferd wird Ihnen gleich davonlaufen. Wenn Sie die Scheune nicht abschließen.“ Er sagte: „Na, vielen Dank auch.“ Und schloss seinen Hosenschlitz. Den Spruch hatte er wohl schon mal gehört.

BORING: Jedenfalls wollte er sich mit einer Gruppe der DAR treffen, daher war es gut, ihn daran zu erinnern. Es war einfach eine lustige Begebenheit.

Bei der DAR handelte es sich um die „Daughters of the American Revolution„. Die am 11. Oktober 1890 gegründete patriotische Frauenvereinigung will das Erbe der Amerikanischen Revolution von 1776 wachhalten und hat es sich zum Ziel gesetzt, die Erinnerung an die Vergangenheit zu pflegen sowie Bildung und Patriotismus zu fördern.12https://de.wikipedia.org/wiki/Daughters_of_the_American_Revolution Die von Boring beschriebene Episode ereignete sich nicht während der Potsdamer Konferenz.

Von links nach rechts (hintere Bank): Präsident Harry S. Truman, Außenminister James Byrnes, und Admiral William Leahy. Halt mit dem Auto, das von Floyd M. Boring vom Secrete Service gefahren wird, vor den Trümmern der Reichskanzlei in Berlin. Um das Fahrzeug stehen weitere Secret Service Beamte – George Drescher, John Campion, Elmer Hipsley, John Walker, und Howard Anderson. Truman spricht mit General Harry Vaughan.   Quelle: Harry S. Truman Library

Secret Service und Militärpolizei in Neubabelsberg

Anhand der Telefonverzeichnisse der US-Delegation konnten 28 Personen ermittelt werden, die für den Secret Service tätig waren und auf dem Delegationsgelände wohnten.

Name, VornameDienstadresseUnterkunftTätigkeit
Anderson, Howard S.Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71Assistant Supervising Agent (ASAIC)
Anheier, HarryKaiserstr. 1Kaiserstr. 1
Barry, Frank M. Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Beary, James, M.  Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Behn, Gerald A. Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71Assistant Supervising Agent (ASAIC)
Boring, Floyd M. Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Campion, John E. Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Daigle, Andrew G.Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Drescher, George C. Kaiserstr. 2Kaiserstr. 2SAIC
Gilliam, Wilson A. Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Gorham, John T.Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Haman, Walter A.Kaiserstr. 1Kaiserstr. 1
Hipsley, Elmer R.Kaiserstr. 1 (?)Kaiserstr. 1
Holmes, Rubert E.Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Kauffman, Richard G. Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Kearney, William T.Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Kellerman, Roy H.Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Maloney, James J.Kaiserstr. 2Kaiserstr. 2Chief of Secret Service
McGrath, JohnKaiserstr. 1Kaiserstr. 1
O`Driscoll, Daniel J.Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Roberts, Emory P.        Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Rowley, James J. Kaiserstr. 1Kaiserstr. 1Assistant Supervising Agent (ASAIC)
Special Service Stubenrauchstr. 8Stubenrauchstr. 8
Spicer, Vernon D. Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Stoner, Frank G. Kaiserstr. 2Kaiserstr. 2
Torina, Michael Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Waters, Edward M. Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71
Weir Albert T.Kaiserstr. 71Kaiserstr. 71

Weitere Geheimdienstmitarbeiter waren in der US-Besatzungszone in Berlin untergebracht.

Darüber hinaus war für die Sicherheit des Präsidenten und der US-Delegation insgesamt die Militärpolizei zuständig. Geführt wurde sie vom Militärpolizeichef (Provost Marshal) für den Bereich Berlin, Oberstleutnant James P. Smith Jr. . Major William J. E. Keish kommandierte das 713th Military Police Battalion. Smith war in der Stubenrauchstr. 6 untergebracht. Keish und die ihm unterstellten Militärpolizisten  in der Kaiserstr. 66.

Die Militärpolizei verwaltete die Herstellung und Ausgabe der Passierscheine und kontrollierte, dass diese nicht zweckentfremdet eingesetzt wurden. Sie überwachte die Zufahrten zum Delegationsbereich und die Situation an sicherheitsrelevanten Objekten.

Militärpolizisten des 713th Military Police Battalion kontrollieren Fahrzeuge und Personen an einer der Straßensperren zum US-Delegationsbereich in Neubabelsberg.  Quelle: Harry S. Truman Library

Für das „Little White House“, die Neubabelsberger Residenz des US-Präsidenten in der Kaiserstraße 2, waren zum Beispiel 16 Militärpolizisten eingesetzt. Sie wechselten zwischen Früh-, Mittags- und Nachtschicht und hatten an den ihnen zugewiesenen Standorten Telefonanschluss. Auf dem Griebnitzsee fuhr vor dem US-Areal ein Schiff der Militärpolizei Patrouille. Als besonders wichtig waren die Hydranten angesehen worden, die im Brandfall das Löschwasser liefern sollten und für die Trinkwasserversorgung benötigt wurden. Deshalb befand sich dort jeweils ein Posten der Militärpolizei.

Blatt 1 des Sicherheitsplans für die Neubabelsberger Residenz des US-Präsidenten. Unten rechts (A) ist die Residenz eingezeichnet.

Chad B. Newswander promovierte 2009 zum Doctor of Philosophy. Public Administration and Public Affairs. Seine Dissertation trägt den Titel „Presidential Security: Bodies, Bubbles & Bunkers„. Auf über 500 Seiten befasst er sich mit der Entwicklung des Secret Service und mit der Geschichte der von ihm entwickelten und genutzten Verfahren für den Schutz des Präsidenten der USA (POTUS).

Die Entwicklung des Secret Service und seiner Schutzverfahren verlief sporadisch und uneinheitlich. In den vergangenen 100 Jahren wurde diese sich herausbildende Rationalität von einer Vielzahl von Quellen gespeist, die dazu beitrugen, das Konzept und die Praxis der Sicherheit des Präsidenten zu gestalten. Die Themenbereiche der Unsicherheit und der Sicherheit schufen wechselseitig die Vorstellung von der Gefährdung und der Unversehrtheit des Präsidenten. Staatsfeinde trugen dazu bei, das staatliche Handeln zu formen, während Freunde des Präsidenten bestrebt waren, ein Bild präsidialer Erhabenheit zu vermitteln. In diesem Kontext sah sich der Secret Service gezwungen, räumliche Bereiche abzusichern, um Bedrohungen zu verbergen und zu verschleiern, während er gleichzeitig den Körper des Präsidenten der Öffentlichkeit präsentieren und offenbaren musste. Die Fähigkeit, Bedrohungen zu kontrollieren und das präsidiale Spektakel zu koordinieren, versetzte den Dienst in die Lage, über Körper und Geist des Präsidenten zu verfügen. Gestützt auf diesen disziplinarischen Apparat ist der Secret Service in der Lage, „Blasen“ und Bunker zu errichten, die dazu bestimmt sind, die „zwei Körper“ des Präsidenten zugleich zu schützen und einzuschließen.13Newswander, Chad B., a.a.O., S. ii f.

Ausführlich geht er auf die Regierungszeiten von Harry S. Truman. Klammert das Thema Potsdamer Konferenz jedoch vollständig aus. Interessant sind seine Untersuchungen dennoch. Vermitteln sie doch ein interessantes Bild vom Verhältnis Secret Service – Präsident Truman.

Während seiner Amtszeit lehnte Truman den präsidialen Schutz zunächst ab und widersetzte sich ihm, um ihn schließlich anzunehmen und zu legitimieren. Dieser Wandel – von Trumans anfänglicher Weigerung, sich zu Beginn seiner Präsidentschaft an die Protokolle des Secret Service zu halten, hin zu seiner widerwilligen Akzeptanz des Schutzes am Ende seiner Amtszeit – spiegelt auf perfekte Weise die Entwicklung des Sicherheitsprinzips wider: von einem noch in den Anfängen steckenden Konzept, dem man sich noch widersetzen konnte, hin zu einem voll ausgereiften und robusten Prinzip, das unbedingte Beachtung verlangt. Die Institution, die als United States Secret Service bekannt ist, sollte für das amerikanische Regierungssystem fortan kein Fremdkörper mehr sein, da ihre Logik und ihre Praktiken nunmehr akzeptiert wurden. Unter dieser neuen Regierung sah sich der Dienst jedoch einer gewaltigen Widerstandskraft gegenüber – verkörpert durch Truman selbst – sowie einem weiteren Attentatsversuch, der beinahe geglückt wäre. 14Ebenda, S. 229 f.

Um den Präsidenten trotzdem wirkungsvoll schützen zu können, entwickelte der Secret Service die „Drei Perimeter Philosophie„. Ein Perimeter (von griechisch perimetros = „Umfang“ oder „Messung um etwas herum“) bezeichnet generell die äußere Grenze eines bestimmten Bereichs. In diesem Fall handelte es sich um drei Sicherheitszonen, die um den Präsidenten geschaffen wurden. Vermutlich kam dieses Prinzip erstmalig während der Potsdamer Konferenz zur Anwendung. Die amerikanische Sicherheitsvariante hatte ein Pendant in den Sicherheitsbereichen, die die sowjetischen Gastgeber um den Unterbringungsbereich in Neubabelsberg und den Konferenzort im Neuen Garten anlegten bzw. zwischen ihnen.

Diese Sicherheitslogik bestand darin, drei konzentrische Kreise um den Präsidenten zu bilden, wobei die äußere Schicht am dünnsten und die innere Schicht am dichtesten angelegt war. Ein potenzieller Angreifer hätte jede einzelne Sicherheitsebene infiltrieren und überwinden müssen, bevor er oder sie den Präsidenten angreifen konnte. Der äußere Ring bestand aus der Polizei des Weißen Hauses, die das Gelände des Weißen Hauses bewachte, oder aus Agenten des Secret Service, die an Ausgängen oder gefährdeten Zugangspunkten postiert waren, wenn der Präsident einen öffentlichen Auftritt absolvierte. Diese Sicherheitskräfte waren in der Regel lediglich mit einer Dienstpistole ausgerüstet. Der mittlere Sicherheitsring war für die Überwachung von Treppenhäusern, Korridoren und anderen Bereichen in unmittelbarer Nähe des Präsidenten zuständig. Auch diese Leibwächter trugen lediglich eine Dienstpistole, hatten jedoch jederzeit Zugriff auf Maschinenpistolen („Tommy Guns“) und andere leistungsstarke Waffen, um einen Angriff abwehren zu können. Die letzte und innerste Sicherheitsebene bildeten jene Agenten, denen die Verantwortung übertragen war, sich stets in unmittelbarer Nähe des Präsidenten aufzuhalten. Sie fungierten als eine Art „mobile Panzerung“ für den Körper des Präsidenten. Auch diese Agenten trugen wiederum ausschließlich Dienstpistolen. Der Sinn dieses auf drei Verteidigungsebenen aufgebauten Sicherheitskonzepts bestand darin, dem Secret Service die Möglichkeit zu geben, „jeden möglichen Zugangsweg zum Präsidenten unter ständiger Überwachung“ zu halten (Baughman & Robinson, 1963, S. 87).15Ebenda, S. 238 f.

Die Passierscheine und Dienstausweise

Das Nationalarchiv der USA verfügt über Xerox Kopien von Entwürfen für Passierscheine und Dienstausweise, die während der Potsdamer Konferenz zum Einsatz kamen. Entworfen wurden sie vermutlich von den sowjetischen Gastgebern und dann den Briten und US-Amerikanern zur Begutachtung übergeben. Bei einzelnen Entwürfen finden sich Anmerkungen, die mit Bleistift hinzugefügt wurden. Inwieweit diese Berücksichtigung fanden, lässt sich nur durch einen Vergleich mit  den offiziellen Dokumenten feststellen, in die dann auch die realen Namen, Daten und Fahrzeuge eingetragen wurden.

Die Zahlen auf den Ausweisen weisen darauf hin, dass die einzelnen Bereiche innerhalb des Areals der einzelnen Delegationen sowie des gesamten Gebiets zur besseren Unterscheidung nummeriert wurden. Damit wurden zugleich Sprachprobleme mit den russischsprachigen Wachsoldaten umgangen.

Berechtigung für das zeitlich nicht eingeschränkte Befahren des gesamten Delegationsareals.
Berechtigung für das einmalige Befahren des Delegationsareals.
Ausweis für Mitarbeiter des Secret Service zum Betreten aller Bereiche des Delegationsareals.

Sonderausweis für das Betreten eines klar definierten Bereichs. In diesem Fall für das Grundstück der Residenz von Präsident Truman.

Originaldokument aus dem Privatbesitz von Oberstleutnant von John S. Wise.

Berechtigung für den Aufenthalt auf dem Gebiet der US-Delegation.

Sonderausweis für Mitglieder des Joint Chief of Staff.
Originaldokument aus dem Privatbesitz von Oberstleutnant von John S. Wise.
Die Ausweise wurden zumeist als Klappkarten ausgeführt und hatten dieses Deckblatt.
Dienstausweis von John S. Wise, aus dessen Privatbesitz.

Der Fahrzeugpark des US-Präsidenten

Wie bereits mehrfach hingewiesen mussten umfangreich logistische Probleme gelöst werden, damit der US-Präsident seines Amtes entsprechend und vor allem mit ausreichender Sicherheit für seine Person an der Potsdamer Konferenz teilnehmen konnte.

Stalin war mit dem Zug nach Potsdam gereist. Churchill hatte den kürzesten Weg von seinem Urlaubsdomizil in Frankreich, und kam mit dem Flugzeug. Truman nutzte den schweren Kreuzer USS „Augusta“ für die Überquerung des Atlantiks und reiste ab Brüssel mit dem Flugzeug weiter.

Alle drei Staatschefs waren es gewöhnt, in sicheren Fahrzeugen vor Ort unterwegs zu sein. Zumal in einem Land, gegen das sie vor wenigen Wochen noch Krieg geführt hatten und dessen Bevölkerung im Angesicht der Niederlage und der im Krieg begangenen Verbrechen zwar demoralisiert war, aber nicht als ungefährlich angesehen werden konnte.

Anmerkungen

  • 1
    https://www.amazon.com/-/de/stores/author/B00GFZHJD0/about
  • 2
    Truman, Harry S., Memoiren, Band I, Das Jahr der Entscheidungen (1945), Stuttgart 1955, S. 322 f.
  • 3
    https://hoover.archives.gov/research/manuscript-collections/drescher
  • 4
    https://hoover.archives.gov/research/oral-history-collections
  • 5
    https://en.wikipedia.org/wiki/James_Joseph_Rowley
  • 6
    https://www.trumanlibrary.gov/library/oral-histories/rowleyj
  • 7
    https://en.wikipedia.org/wiki/James_T._Blair_Jr.
  • 8
    https://generals.dk/general/Gorlinskii/Nikolai_Dmitrievich/Soviet_Union.html
  • 9
    https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D0%BE%D1%80%D0%B5%D1%86%D0%BA%D0%B8%D0%B9,_%D0%9C%D0%B8%D1%85%D0%B0%D0%B8%D0%BB_%D0%9C%D0%B0%D0%BA%D0%B0%D1%80%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D1%87
  • 10
    https://www.trumanlibrary.gov/library/oral-histories/boring#12
  • 11
    Diese Aussagen sind unverständlich. In den USA galt und gilt Rechtsverkehr, wie auch damals in Belgien, so dass sich das Lenkrad auf der linken Seite des Fahrzeugs befindet.
  • 12
    https://de.wikipedia.org/wiki/Daughters_of_the_American_Revolution
  • 13
    Newswander, Chad B., a.a.O., S. ii f.
  • 14
    Ebenda, S. 229 f.
  • 15
    Ebenda, S. 238 f.

© GeschichtsManufaktur Potsdam, 27. Mai 2026