Um die 200 Vertreter der Medien – Berichterstatter, Fotografen, Kameraleute – sollen sich während der Potsdamer Konferenz im Umfeld der Beratungen aufgehalten haben. Die Mehrzahl von ihnen besaß Akkreditierungen der Presseverantwortlichen der für ihr Land zuständigen Armee – USA, Großbritannien, Sowjetunion. Die anderen mussten sich bemühen, diese für die Zeit der Konferenz zu erhalten. Deutsche konnten die von den jeweiligen Besatzungsbehörden erhalten. Direkt mit den offiziellen Delegationen angereiste Medienleute, die keine Genehmigung zum Aufenthalt in den gesperrten Zonen in Neubabelsberg hatten, wurden in beschlagnahmten Wohnungen in den jeweiligen Berliner Besatzungszonen untergebracht. Die Mehrzahl kam in das Pressecamp in Zehlendorf.
Es gibt nur wenige Hinweise auf den genauen Ort des Pressecamps. Und auch diese sind sehr allgemein gehalten. Dass es keine Berichte oder später verfasste Erlebnisberichte von Journalisten über ihren Aufenthalt während der Konferenz gibt. Erstaunlich ist auch das Fehlen von Fotos, aufgenommen im Pressecamp.
Durch Zufall konnten Filmaufnahmen gefunden werden, die undatiert sind und keinen Hinweis auf die Kameraleute enthalten, die sie anfertigten. Ebenfalls keine Hinweise über den Drehort und auch nicht auf die in den Aufnahmen dargestellten Personen.
Stahnsdorfer Damm 12
Aus den vagen Hinweisen auf das Pressecamp, enthalten in Zeitungsartikeln der damaligen Zeit oder in Erinnerungen, lässt sich dessen Standort örtlich eingrenzen. Es musste sich um ein Areal handeln, in dem mindestens 200 Menschen untergebracht werden konnten. Nicht nur die Vertreter der Medien brauchten Betten, Waschmöglichkeiten, Arbeitsplätze, Aufenthaltsräume, Speisesäle, sondern auch das zu ihrer Betreuung eingesetzte Personal – Zivilisten, in der Mehrzahl aber Militärangehörige. Benötigt wurde auch mindestens ein großer Saal für die täglichen Pressekonferenzen. Benötigt wurden ebenfalls Kommunikationsmöglichkeiten, Telefon, Fernschreiber…
Die über das Treffen berichtenden Korrespondenten sind im Presse-Camp im Stadtteil Zehlendorf untergebracht, etwa vier Meilen (auf der Straße) von Potsdam und noch näher am „Little White House“ entfernt.1Daniel de Luce: Pressebestimmungen der „Großen Drei“. In: New York Times v. 19.07.1945.
Nach intensivem Studium des aktuellen Stadtplans von Berlin-Zehlendorf sowie historischer Pläne und einem Schriftwechsel mit dem örtlichen Heimatverein kristallisierte sich nach und nach ein möglicher Standort heraus:
Stahnsdorfer Damm 12 – Deutsche Versuchs-Anstalt für Handfeuerwaffen (DVA). Heute „Deutsche Versuchs- und Prüf-Anstalt für Jagd- und Sportwaffen e. V.“ (DEVA). Die am 26. November 1888 gegründete Versuchs-Anstalt war zunächst von der Roten Armee besetzt und geplündert worden. Anfang Juli 1945 befand sich das Areal in der US-Besatzungszone.
Das Gelände ließ sich sehr gut be- und überwachen. Die vorhandenen Gebäude ließen sich durch die Pioniertruppen der US-Armee schnell für ein Pressecamp herrichten. Zwischen dem Objekt Stahnsdorfer Damm 12 und der Karl-Marx-Straße 2 in Neubabelsberg, d.h. der gesperrten US-Zone, betrug die Entfernung 6,5 Kilometer. Bis zum Schloss Cecilienhof waren es rund 12 Kilometer. Diese Angaben stimmen weitgehend überein mit der obigen Angabe in dem Beitrag von Daniel de Luce.

Die nachfolgende Aufnahme vom Eingangsbereich der DVA aus dem Jahr 1932 zeigt, dass sich das Gelände als Pressecamp anbot.

Es gibt aber auch einen Punkt, der gegen die Nutzung der Anlage als Pressecamp spricht: die Architektur der Gebäude.
Die Anlagen der Versuchs-Anstalt (DVA) in Wannsee primär zweckorientierte, schlichte Putz- und Betonbauten inmitten des Waldes. Die in den eingangs erwähnten Filmausschnitten zu sehenden Bauten zählen zu den typischen Industriebauten aus Backsteinen.
Unter den Eichen 87
Im heutigen Lichterfelde, an der Grenze zu Dahlem, befand sich ab 1904 das Königliche Materialprüfungsamt, ab 1919/20 Staatliches Materialprüfungsamt (MPA). 1945 fiel das Areal in die Hände der Roten Armee, die eine umfangreiche Demontage der Versuchsanlagen betrieben. Zahlreiche Unterlagen des MPA gelten seitdem als verschollen. Anfang Juli 1945 übernahmen die US-Truppen die Kontrolle und hatten somit die Möglichkeit, das Areal für die Nutzung als Pressecamp der Potsdamer Konferenz umzugestalten.
Dafür spricht, dass es von Unter den Eichen 87 bis zum Hauptquartier der US-Armee in der Clayallee 170/172 nur rund 2 Kilometer Entfernung sind. Das erleichterte die administrativen Aktivitäten wie auch das Herstellen der Kommunikationsleitungen. Dafür spricht weiterhin, dass sich Unter den Eichen 87 in der Verlängerung der Potsdamer Straße befand, die in historischen Berichten immer wieder im Zusammenhang mit dem Pressecamp genannt wird. Dafür spricht ebenfalls die Architektur der Gebäude und die Vielzahl für eine zeitweilige Nutzung zur Verfügung stehender Bauten.
Der Beschreibung nach könnten die Versuchshallen für die mechanische Prüfung am ehesten mit den Räumen übereinstimmen, die in dem historischen Filmmaterial über das Pressecamp zu sehen sind.
Das Herzstück für die Härte- und Festigkeitstests glich im Inneren einer modernen Fabrikhalle der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Die Wände bestanden aus sichtbarem, hellem Kalksandstein oder rohem Ziegelwerk. Beim Blick nach oben sah man offene Stahlfachwerk-Konstruktionen. Die Fußböden waren massiv. Und trotz voran gegangener Plünderungen werden noch ausreichend Blechschränke, Tische und Stühle zur Verfügung gestanden haben.
Dagegen spricht, dass die Entfernung bis Neubabelsberg weiter ist, als wie in damals verfassten Texten beschrieben.
Was noch fehlt, ist der eindeutige Beleg für die Nutzung als Pressecamp.
Anmerkungen
- 1Daniel de Luce: Pressebestimmungen der „Großen Drei“. In: New York Times v. 19.07.1945. ↩︎
© GeschichtsManufaktur Potsdam, 03. Oktober 2026